Jay Ritchie

Shownotes

Weitere Informationen unter: https://jay-ritchie.com/de

Ihr findet uns auf Instagram unter www.instagram.com/der.laechelnde.hase

Dieses Gespräch wurde am 18. Mai 2026 im FSK Hamburg als Radiosendung ausgestrahlt.

Transkript anzeigen

00:00:01: Sie hören der lächelnde Hase, Künstler in Gespräche mit.

00:00:05: Madeline Lau

00:00:06: und Carsten Rabe heute zu Gast.

00:00:09: J Witschi.

00:00:10: Hallo

00:00:12: Jay!

00:00:14: Heute ist eine kleine Premiere für der lächerlende Hase denn wir haben eine kleine Reise unternommen und sind zu dir ins Atelier nach Berlin gefahren.

00:00:23: also wir befinden uns gerade in deinem Atelier in Neukölln.

00:00:26: Ja, schön dass ihr da seid.

00:00:28: Wir freuen uns sehr hier zu sein!

00:00:30: Das ist ein Wohnatelier

00:00:32: in dem

00:00:33: wir uns gerade befinden.

00:00:35: Das heißt wohnen und arbeiten läuft hier bei dir gerade parallel oder Hand in Hand?

00:00:40: Genau ja ich arbeite viel mit Emotionen.

00:00:43: deshalb ist mir wichtig direkt quasi mich zu fotografieren oder Sachen umzusetzen.

00:00:51: Also du hast schon gesagt du bist Fotograf hier in Berlin.

00:00:55: Hast du hier auch studiert, also beziehungsweise was in der Fotoschule hier in Berlin?

00:01:00: Genau.

00:01:01: In der Ostkreuzschule für Fotografie

00:01:03: und bist dann aber gewechselt

00:01:05: nach Leipzig?

00:01:05: Nein, hab absolviert im Jahr zwei Tausendsechzehn und habe dann ab dem Jahr zweitausend achtzehnt in Leipzig angefangen zu studieren.

00:01:14: Also da noch ein Diplom und einen Meisterschüler gemacht.

00:01:18: Und wie kam es zu dem Wechsel?

00:01:21: Wie ist

00:01:23: das?

00:01:23: Ich habe nach der Ostkreuzschule auch meinen Stil gefunden, wo ich mich wohlfühle wie ich arbeite.

00:01:31: Und auch ein paar Jobs gemacht für Magazinerzeitungen und dann aber gemerkt, nee, ich möchte eher in die künstlerische Richtung.

00:01:40: Ich will mir noch mehr Imput holen oder vielleicht andere Medien mit benutzen verwenden Und bin dann an die HGB und in die Klasse von Tina Barra, habe ich mich sehr wohl gefühlt.

00:01:55: Ich hab auch ein bisschen mehr experimentiert.

00:02:00: Jetzt arbeitest du nur bildend künstlerisch

00:02:05: als Fotograf?

00:02:07: Ja wir sind total freuen uns sehr auf dieses Gespräch.

00:02:11: das ist schon lange geplant.

00:02:14: Du wirst Teil eines Projekts sein, das kastendlich als der lächelnde Hase im Rahmen der Fototräne alle in Hamburg realisieren.

00:02:22: Im Juni ist es noch ein paar Wochen hin wo wir auch live über deine Arbeit sprechen und haben jetzt aber die Möglichkeit so das Gespräch schon mal zu beginnen.

00:02:34: und was wir eben in deiner sehr sehr starken Arbeit so interessant finden ist dass sich Einfügt in eine Frage, die wir jetzt ein Jahr lang haben.

00:02:46: Uns begleitet nämlich unter der Überschrift Questioning Normacy.

00:02:50: Also da setzen wir uns mit Normalität und Normativitätskonzepten auseinander.

00:02:55: Und deine Arbeit würde ich sagen das ist ja eigentlich so der thematische Schwerpunkt.

00:03:01: Genau, ja, permanente Norm-Hinterfragung.

00:03:05: Inwiefern?

00:03:08: Ich würd' sagen dass du mein... Fokus oder die Thematische meiner Arbeiten, alle sich mit Identität, queerer Sichtbarkeit und auch einfach so und Gender auseinandersetzen.

00:03:21: Und genau in diesen Bereichen heben die Hinterfragungen was sind die Normen?

00:03:26: Warum gibt es diese Normen?

00:03:28: wie kann man diese Norm aufbrechen?

00:03:30: So

00:03:31: oft sind diese Norm eben auch gesellschaftlich und politisch verankert und es ist ganz schwer, da eine neue Norm zu etablieren oder neu zu denken.

00:03:47: Würdest du sagen das ist auch das was du machst?

00:03:50: Also du fotografierst vor allen Dingen Menschen sowohl dich selber als auch andere

00:03:55: Menschen

00:03:57: dass du das so verstehst.

00:04:00: also dein fotografisches Arbeiten diesen Versuch hat durch Generation von Bildern und eben Repräsentationen, von Menschen und Identitäten und Körperlichkeiten und Lebensrealitäten im Geschlechternorm sehr spezifisch zu unterwandern.

00:04:17: Also insofern dass man dieser Hegemonie oder der hegemonialen Erzählung andere Bildlichkeiten gegenüberstellt.

00:04:28: so auf jeden Fall also vor allem Sichtbarkeit und auch Aufklärungsarbeit, also auf meine Art.

00:04:39: Also dass man einfach Menschen die vielleicht keine Berührungspunkte haben mit bestimmten Themenbereichen über die Kunst einen Einblick gibt oder eine andere Möglichkeit einzusteigen und sich diesen Diskurs eventuell anzuschließen.

00:05:02: Und also wie sieht es aus?

00:05:05: Also du sagst, das ist schon Aufklärungsarbeit.

00:05:09: Wie funktioniert das für dich?

00:05:11: Also jetzt zum Beispiel in meiner Arbeit Trancestors wo ich aufmerksam mache auf Trans-Lebensrealitäten.

00:05:21: Die Arbeit besteht aus zwei Teilen einmal Porträts von Transmenschen und einmal Audioaufnahmen wo Transpersonen aus deren Leben erzählen.

00:05:35: Das sind Anekdoten, das sind Lebensgeschichten aus dem medizinischen Bereich.

00:05:43: kann was übers Outing sein?

00:05:45: halt einfach genau.

00:05:46: es geht um das Leben als Transperson und das ist der Fokus in diesen Audioaufnahmen Und das ergänzt quasi die Porträts bzw.

00:05:56: das ergänt sich gegenseitig.

00:05:59: Diese Arbeit soll einfach ein Fokus oder die Sichtbarkeit von Transleben vergrößern, weil jetzt gerade so politisch vermehrt transleben bedrohte strukturell ausgegrenzt wird.

00:06:20: Die Gewalt total zunimmt weltweit gesehen und diese Arbeit ist auch Gegenentwurf zu dieser politischen Lage und ist somit auch meiner Meinung nach eine Art der Aufklärungsarbeit, weil da eben einfach auch Teil davon ist, hey, Transleben war schon immer da.

00:06:43: Transleben wird immer da sein Und wir sind nicht anders Wir sind einfach auch Menschen die Teil der Gesellschaft sind.

00:06:56: Deshalb so in diese Richtung, würde ich sagen.

00:07:05: Ich habe jetzt gerade gedanklich weil wir auf der Zugfahrt nach Berlin haben das Portfolio nochmal durchgeschaut und mir fallen drei Porträts eben ein aus der Transcessors Serie und ich fand es toll wie selbstbewusst und stark die drei porträtierten Personen dargestellt sind oder sich dargestellt haben.

00:07:31: Da kommen wir gleich, glaube ich noch mal drauf auf deine Arbeitsweise wie diese Bilder auch entstehen und weil Ich würde jetzt fast Lass mich lügen bei einem Foto wäre es mir aber jetzt gar nicht unbedingt klar ist das eine transpersonen Oder sehe ich ne weibliche Person also eine person die Weiblich sich darstellt?

00:07:53: und was ich mich gerade gefragt habe ist Wie viele Hintergrundwissen oder wie viel weitere Informationen brauche ich eigentlich, um von dem eigentlichen Foto also nur als Einzelbild das zu sehen mit diesem ganz Gesamtthema auseinanderzusetzen.

00:08:11: Und natürlich in deinem Portfolio hast du die Textarbeiten und auch die Audioarbeiten, die so einen Ansatz eines ganzheitlichen Porträts darstellen?

00:08:22: Oder...

00:08:23: Also erst mal zu dem ersten Punkt, wo du mit angefangen hast.

00:08:28: Es geht ja in der Arbeit auch darum dass man das gar nicht unbedingt sehen muss, dass jemand trans ist.

00:08:33: Da wollte ich nämlich drauf hinaus weil das war auch was wir im Vorgespräch hatten also wo ich sagte inwieweit muss das eigentlich benannt sein oder inwie weit kann ich auch einfach den portraitierten Mensch als Individuum.

00:08:50: Und eigentlich geht es ja genau darum, dass

00:08:52: er nicht

00:08:53: zu sagen das ist eine Transperson und sondern zu sagen Das ist ein Mensch.

00:09:01: Also die Bilder werden mit Vornahme und Pronomen quasi ergänzt weil genau, weil das auch noch mal ein Teil der Identität ist.

00:09:12: Also gerade die Pronomen oder den Vornamen sind für Transmenschen auch ganz wichtig, weil es ja oft der Name ist.

00:09:19: Der entweder mit dem so einen Deadname ist oder den Namen, den man sich dann selbst aussucht und den eventuell ändern lässt.

00:09:29: Und die Pronome natürlich um nochmal die Identität, die man sich selber zugehörig fühlt einfach zum Ausdruck bringt.

00:09:40: Und das ist dann eine, zum Beispiel weiterführende Information nach der du gerade, glaube ich gefragt hast.

00:09:46: Die du als betrachtene Person nochmal erhältst.

00:09:53: Im Portfolio hast du geschrieben dass diese Arbeit auch von der Trans Community für die Trans Community

00:10:03: ist.

00:10:04: Also worüber wir ja jetzt gesprochen haben... gesprochen haben ist auch quasi eine Rezeption außerhalb der Community, wo auch ein Wissen oder auch eine Begegnung mit dieser Lebensrealität, die ja unsweifelhaft in der Welt ist, irgendwie fehlt

00:10:19: und

00:10:19: deswegen auch das einen Zugang schaffen kann.

00:10:24: Und gleichzeitig funktioniert die Arbeit hier aber auch eben aus einer Community, in eine Community hinein.

00:10:32: Was würdest du sagen sind da?

00:10:37: wichtig, wenn etwas von der Community in die Community hinein gegeben wird.

00:10:44: Also was ist da der Unterschied im Prinzip?

00:10:48: Ich habe mir sowas aufgeschrieben wie eben das Fotografie hier auch so was wie CARE, ein Ausdruck von CARE ist.

00:10:58: Ja also um da mal anzuschließen für mich ist es eine Arbeit die natürlich ich angefangen habe, aber sie ist auch eine Communityarbeit.

00:11:09: Also die Personen, die ich potretiere, die entscheiden mit sind nicht einfach nur porträtierte Menschen, also Protagonistinnen der Bilder sondern sie sind aktive Mitgestaltende.

00:11:24: Sie entscheiden selber welcher Hintergrund genommen wird oder man entscheidet ist auf jeden Fall gemeinsam.

00:11:31: Welche Anziehsachen, welcher Schmuck, welches Make-up

00:11:34: etc.,

00:11:35: das wird alles so gemacht dass die Person sich repräsentiert fühlt und es ist auch so, dass diese Arbeit nicht so ist, dass im Endeffekt ein Bild pro Person ausgewillt wird am Schluss sondern zwischen vier und sechs Bildern Damit es auch die Möglichkeit gibt, sich auf verschiedene Arten darzustellen.

00:12:00: Weil es gibt oft nicht nur die eine Seite von einem sondern man hat vielleicht auch hier mal ein bisschen mehr eine feminine Seite, die man gerne auch zeigen möchte und da hat man noch ein bisschen nicht binäre Seite und so.

00:12:14: dafür gibt das Raum und Zeit und das ist mir auch ganz wichtig dass das mit aufgenommen wird in der Arbeit.

00:12:23: Du fotografierst analog.

00:12:26: Was finde ich zu der Information, die du gerade über die Anzahl, also die Menge der Fotos über dir entscheidet?

00:12:34: Ganz Interessant ist.

00:12:36: Genau!

00:12:36: Also ich wechsle zwischen Großformat und Mittelformat.

00:12:41: Die Transestors Arbeit ist im Mittelf format Und für mich ist es einfach unglaublich wichtig so zu arbeiten weil das entschleunigt ist.

00:12:51: Ich nehme Raum, ich nehme Zeit Ich mache nicht ein Bild hinter, also nach dem anderen.

00:12:59: Sondern ich entscheide wirklich ist das jetzt das Bild?

00:13:03: Oder nehme ich doch noch mal einen anderen Ausschnitt.

00:13:06: Also es dauert auch.

00:13:07: Es ist auch Geduld für die Personen, die ich fotografiere.

00:13:09: natürlich oder wenn ich mich selber fotografiere ist sie auch nicht einfach mal schnell gemacht sondern muss halt gucken dass sich dann mir auch die Zeit einräume ja und Genieße diese Arbeitsweise einfach total.

00:13:26: Und am Schluss sind auch nicht so viele Bilder da, dass ich mich auch zwischen hundert Bildern entscheiden muss.

00:13:35: welches nehme ich jetzt?

00:13:36: Sondern es sind halt zehn Bilder und dann suche ich aus welches ist das jetzt oder welche sind es?

00:13:43: Ja, das finde ich total schön.

00:13:45: Also ich selber fotografiere ja digital und sehe auch diesen Trugschluss in der Menge der Bilder die man eben machen kann bei so einer großen Speicherkarte und denke auch mal nicht mehr so... Es geht hier um ein Foto was man haben will.

00:13:59: und warum produziert man hundertundfünf statt sich einmal diesem Moment zu nehmen?

00:14:05: Heißt das oder im Mittelformat du fotografierst mit der Mamir sechs mal sieben, das sind zwölf Bilder pro Film oder zehn.

00:14:17: Und könnte man sagen es ist dann ein Film pro Porträt.

00:14:21: was entsteht also wenn wir das auf die Serie Trendtesters beziehen?

00:14:25: oder können das auch mal drei Filme sein?

00:14:32: Ich beschränke mich auf zwei Filme.

00:14:34: Zwei Filme pro Person.

00:14:36: ich hatte jetzt auch mal dreifilme Aber das eigentlich sind zwei Filme, die festgelegt sind.

00:14:45: Also finde ich total toll und ist vielleicht auch für die Hörenden interessant weil es ja eigentlich wirklich eine Heutzutage ganz traditionelle Art und Weise des Fotografierens ist, die aber eigentlich mit der Idee von Foto über fast ein Jahrhundert so zusammengingen dass man eben die Chance hatte einen gutes Bild zu machen oder dieses Reglementieren der Bildmenge über das Filmmaterial schon natürlich auch die Arbeitsweise malenflüstern, was im Großbild noch viel stärker zum Tragen

00:15:22: kommt.

00:15:23: Ja ist ja leider in den letzten Jahren alles sehr viel teuer geworden!

00:15:27: Das stimmt.

00:15:29: aber liebe Hörnern wir sitzen hier neben der Mamia sogar gerade ich kann sie angucken Sehr schön.

00:15:40: Und auch die Langsamkeit, das finde ich auch nochmal interessant.

00:15:44: Also wir kommen gleich auch noch mal auf deine Arbeiten stärker jetzt rutschig hier gerade ins Nebenfeld.

00:15:49: aber ich fand es um Langsamigkeit auch nochmal weil heute Bild Fotografie ganz viel mit Schnelligkeit zu tun hat mit Vergänglichkeit immer neu mit Instagram able mit also einem Also, dass die Fotos in so einer rasanten Geschwindigkeit aufpoppen und auch wieder verschwinden.

00:16:13: Und aber eigentlich das Fotografieren immer mit Langsamkeit zu tun hatte.

00:16:20: Das scheint ja auch bei dir ein total wichtiges Element zu sein von dem wie du das Mediumfotografie als künstlerisches Werkzeug bekreist oder?

00:16:34: Ja absolut!

00:16:37: Es geht um eine sehr bewusste Bildproduktion.

00:16:41: Und da ist dann Langsamkeit eben eine Ebene davon, ne?

00:16:48: Also auch die Fotos über die wir jetzt gerade gesprochen haben, Trancestors sind ja sehr inszeniert.

00:16:56: aber das ist überhaupt gar kein Widerspruch zur Authentizität sondern aber trotzdem hat es ja, da geht sehr viel Gedanke so wie ich das jetzt verstanden habe und Prozess rein.

00:17:09: Wie soll dieses Bild am Ende aussehen?

00:17:13: Also da schließt es dann wieder eben an also was daran natürlich auch politisch ist wo eine Repräsentation stattfindet und auch eine Selbstermächtigung sich zu zeigen auch als eine archivierende Praxis.

00:17:32: Also das finde ich noch mal spannend, eben wie du ja gesagt hast

00:17:35: es gibt

00:17:36: Transidentitäten schon immer und es wird sie immer geben und doch sind Sie ja aus der Geschichtsschreibung auch deswegen so rausgestrichen worden oder dadurch dass eben auch bildlich Zeugnisse zerstört wurden oder nicht repräsentiert sind.

00:17:53: Und da finde ich nochmal diesen Begriff auch des Trancesters, also diese Neuschöpfung nämlich an zwischen Trance und Ancestor, finde ich total spannend wie du mit diesen Bildern eine Fürsorge auch nicht nur individuell den porträtierten Menschen gegenüber zeigst in der fotografischen Arbeit sondern auch der Transgeschichte, also in so einem größeren Boden.

00:18:23: Also weiß das ich

00:18:24: meine?

00:18:24: Ja absolut!

00:18:26: Der Archivgedanke ist auf jeden Fall da, dass so quasi jetziges Transleben dokumentiert und archiviert wird.

00:18:37: Auch über die Audioaufnahmen wo ja auch nochmal persönliche Geschichten aus dem Leben erzählt werden in Kombination mit den Bildern.

00:18:49: Und ja, ich habe quasi letztes Jahr diese Sammlung angefangen.

00:18:56: Das wäre auch noch mal richtig, dass sie ja fortläuft?

00:18:59: Genau!

00:19:00: Ja also ich mache es jetzt seit einem Jahr und mein Ziel ist es auf jeden Fall mindestens fünfzig Personen zu haben.

00:19:12: Wow und wie viel hast du schon?

00:19:15: Zwanzig.

00:19:18: Jetzt sind zwei Stichworte einmal Langzeitprojekte, da kommen wir auch gleich nochmal auf die anderen.

00:19:22: Aber in die Audioaufnahmen – was hast du jetzt das zweite Mal schon erwähnt?

00:19:25: Ist es so dass es ein Interview oder eine Gesprächssituation ist oder dass du den porträtierten Aufnahmegerät zur Verfügung stellst und sie dafür sich eine eigene Erzählung einfach nur so reinsprechen?

00:19:45: also Archiviert ihr zusammen eine Audio-Datei oder ist das eine ganz eigene?

00:19:54: Genau, da habe ich meinen Prozess verändert.

00:19:59: Weil ich hab zuerst so quasi dass man die Audio auch zusammen aufnimmt.

00:20:05: Das war dann aber zu Interviewmäßig also Und hab dann entschieden, jede Person nimmt das für sich auf.

00:20:14: Dann kann's nämlich auch drei-, viermal aufgenommen werden bis die Person quasi so eine Datei hat mit der sie sich wohlfühlt und dann wird es mir nur abgegeben.

00:20:27: Also ich sammel diese Audioaufnahmen quasi einfach zusammen.

00:20:33: Es machen eigentlich fast alle Personen mit, bei den Porträts mitmachen.

00:20:40: Aber an dem Projekt ist es eigentlich so gedacht, dass man verschiedene Möglichkeiten hat sich zu beteiligen.

00:20:45: Das heißt wenn man seinen Gesicht zum Beispiel nicht zeigen möchte kann man die einfach bei der Audioaufnahme mitmachen oder auch andersrum.

00:20:54: und gerade Stimme also die Stimme ist ja auch nochmal ein großes Thema für Transpersonen weshalb mir das auch total wichtig war.

00:21:02: Also sie sind auch anonym.

00:21:04: die Audioaufnahmen wohin gegen die Porträte nicht so anonyme sind.

00:21:12: Und ja, das einfach auch so... Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich zu beteiligen.

00:21:18: Es soll ein Buch entstehen wahrscheinlich gegen Ende nächsten Jahres und da soll es dann auch nochmal Texte drin geben.

00:21:29: Das heißt, es gibt auch Leute die können sich noch mal über die textliche Ebene Es ist alles auf Deutsch und Englisch.

00:21:37: Also es gibt Audiaufnahmen auf Deutsch, Audiaufnahme auf Englische aber es gibt keine Übersetzung sondern es gibt einfach die Sammlungen auf Deutsch Die Sammlung auf Engelisch und genauso bei den Texten auch

00:21:51: Ja Spannend!

00:21:53: Find ich total interessant weil es eben auch nochmal so was ganzheitliches zu einem Porträt liefert, auch wenn es vielleicht nachher im Ausstellungskontext oder so nicht zuzuordnen ist.

00:22:05: Also dass ich die eine Audioaufnahme höre und weiß ah das ist die Biografie von der Person.

00:22:11: Das ist vielleicht überhaupt nicht wichtig, dass das später so ist aber ich finde es total toll genau da noch ein bisschen mehr ist.

00:22:20: Genau das andere Stichwort was wir eben hatten Langzeitprojekte eigentlich sind.

00:22:26: Also wir reden heute über drei Projekte, die Idee.

00:22:29: Wir reden über Transcessors da haben wir jetzt schon so zwei Bögen zugeschlagen.

00:22:34: dann reden wir über...

00:22:37: ...die Weifewarnschaft und in transparenter Formation ja sind alle Sanktzeitprojekt.

00:22:42: So ist eine Arbeit die sich also auseinandersetzt mit gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen auch Identitätszuschreibungen Nämlich die Gesellschaft, die immer gerne sehr kategorisiert in binäre Rollenverteilungen.

00:23:02: Und das fängt ja schon total früh an!

00:23:04: Also es geht ja im Babyalter eigentlich schon los.

00:23:10: Rosa und Hellblau und ist ein Mädchen, ist ein Junge... Und ich sehe das total problematisch, dass das immer so alles einkategorisiert wird.

00:23:23: Was die Gesellschaft ja eh gerne macht.

00:23:26: Aber in dem Fall natürlich besonders und wenn man sich eben diesen zwei Seiten Feminine und Maskulin nicht zugehörig fühlt dann fällt man ja eh schon mal total raus.

00:23:41: Genau!

00:23:41: Da setzt quasi diese Arbeit an hinterfragt aber eben genau, warum sind Körper?

00:23:48: Warum müssen Körper immer so kategorisiert werden.

00:23:52: Warum müssen Körpers immer das ist... Das ist ein femininer Körper, das ist ein maskuliner Körper.

00:23:58: Warum kann nicht die Person einfach als Person gesehen werden sondern muss dann immer noch in so eine Schublade gesteckt werden?

00:24:06: und ja, die Arbeit setzt eigentlich an meine eigenen Transitionen an und begleitet diese, macht dann parallel eben diese Fragestellungen auf.

00:24:24: Und ja versucht so ein bisschen dieses System auch zu berechen also genau also auch diese Warum sind bestimmte Körperstellen dann besetzt mit dem Geschlecht oder dem geschlecht?

00:24:42: Also warum muss zum Beispiel Geschlech... immer in diese zwei Kategorien.

00:24:47: Warum ist jetzt eine Brust weiblich?

00:24:51: Warum ist ein Penis männlich, warum können wir das nicht einfach alles so aufbrechen?

00:24:57: und ja die Arbeit besteht aus zwei Teilen.

00:25:01: es gibt Porträtes selbst Porträts eigentlich schon so close-up und die einfach auch so ein bisschen zeigen wie ich in meiner Transition quasi mich verändert.

00:25:17: Wie mein Gesicht sich verändert, wie meine Frisuren sich verändern.

00:25:24: und der zweite Teil besteht aus so Körperbildern die ja fast zu Körperausschnitte sind, so Close-Ups aber auch nicht nur Close-ups.

00:25:42: sich auch wieder fragen, warum ist jetzt diese Teil der Hüfte irgendwie eher weiblich gesehen als genau.

00:25:53: Und ich sehe in dieser Arbeit auch geschlecht nicht als eine feste Kategorie sowie so vorhin gerade gesagt habe das von der Gesellschaft eigentlich immer verstanden wird sondern eher als was fließendes etwas was sich permanent verändern kann und auch darf und es nicht so einen Anfang unten Ende gibt oder so ein... Also auch in meiner eigenen Transition sehe ich nicht, hier bin ich.

00:26:20: Und das ist mein Ziel, sondern ich gucke womit fühle ich mich jetzt gut?

00:26:26: Womit fühl' ich mich vielleicht morgen gut?

00:26:28: und dann geht's weiter und ich seh nicht irgendwie ... Es gibt dann so ein Rückschritt oder so, sondern es gibt andere Wege.

00:26:35: Es gibt da eine Abzeige und da eine abzeige.

00:26:39: Was ist jetzt das Richtige für mich und auch ganz viel so eine Verhandlung mit Nichtbinarität?

00:26:46: Und genau, dass es so inhaltlich auf jeden Fall.

00:26:53: Und jetzt um wie du gerne hören wolltest, das ein bisschen zu beschreiben, wie es jetzt auch zum Beispiel ausgestellt wird Ich habe bei meiner letzten Einzelausstellung – Das war in der Alphanova und Galerie Futura in Berlin.

00:27:13: Die Arbeit so installativ ausgestellt und zwar, also man muss sich vorstellen die Porträts sind in einer Größe von fünfzig mal zweiundsechzig gedruckt auf Plexiglasplatten die so ein Zentimeter dick sind und zwar sind sie transparent.

00:27:33: Also würde man jetzt so einen Bild auch eine weiße Fläche legen dann wäre das wie ganz normales Bild von den Farben und allem.

00:27:42: Wenn man es aber in dem Raum hängen hat, dann ist es transparent und man kann durchgucken, aber auch das Bild sehen.

00:27:52: Und diese Bilder habe ich ungefähr im Abstand von fünfzig bis siebzig Zentimetern hintereinander gehängt von der Decke an Drahtseilen.

00:28:02: Das heißt wenn man sich jetzt zum Beispiel ganz vor die Arbeit gestellt hat so ganz frontal dann gab es eine Überlagerung von den ganzen Gesichtern.

00:28:12: Und wenn man sich ein bisschen seitlicher stellt, kann man auch jedes Gesicht einzigend betrachten und das ist für mich auch nochmal diese Formation quasi.

00:28:23: Also dass man diese Veränderungen, diese Prozesshaftigkeit, die Zeit macht.

00:28:32: Die andere Teil mit den Körperbilder sind relativ klein.

00:28:40: Ich weiß jetzt gerade nicht die genaue Größe, ich glaube es um so umso.

00:28:43: siebzehn mal zwanzig in dem Dreh.

00:28:49: Und diese sind an der Wand und eben genauso auch so transparent auf Plexiglasplatten gedruckt aber so null Komma fünf Zentimeter dicke.

00:29:08: Man sieht die Wand durch, also die Wandstruktur.

00:29:11: Und das ist so ein bisschen meine Idee auch gewesen, dass man eben ... Die Körperlichkeit sich mit der Wand quasi verbindet und damit auch die Arbeit mit dem Raum wiederum was die Porträt auf eine andere Art machen als die Körperbilder.

00:29:27: Ja genau!

00:29:31: Bei den Porträts, die da so aufgehängen sind, ich habe das ja nur auf Bildern gesehen aber ich musste an dieses Auffächern von einer Identität denken.

00:29:40: Das ist eine total schöne Art und Weise, diesen Gedanken von Continuum darzustellen.

00:29:50: Und das eben auch in dieser Prozesshaftigkeit der eigenen Transitionen nicht als ich bin dieses oder möchte aber dieses sein.

00:30:02: vielleicht eine sehr eingeengte Vorstellung von Transition, sondern das eher eben also den Prozess auch auszustellen und nicht quasi dass... Also eigentlich hat der Prozess den Hauptfokus.

00:30:16: Und nicht das was es sein soll oder was es mal war und nicht sein sollte irgendwie so.

00:30:20: Das fand ich eben durch dieses Aufwächern auch so sehr präsent.

00:30:28: Es hat auf jeden Fall glaube unterschiedliche eben durch diese Körperbilder, auch so sehr klassisch wie du es jetzt benannt hast schon weiblich konnotierte Körperteile wie Brust oder so ist ja sehr präsent dann in diesem Körperbild aufverhanden.

00:30:45: und das geht ja nicht darum das eine gegen das andere aufzubiegen sondern einfach zu sagen dass das alles Teil eines Körperprozesses den Du durchläufst.

00:30:53: Und das fand ich eine total schöne Darstellung von Transitionen.

00:30:59: Danke.

00:31:04: Und eben so... Also es gibt ja dieses Erzählen der eigenen Biografie und auch des eigenen Prozesses, der aber auf was viel größeres verweist.

00:31:22: Gesellschaftliche Strukturen, du hast ja auch interessanterweise angefangen über diese sehr persönliche Arbeit zu sprechen indem du die gesellschaftlichen Strukture in denen sie stattfinden.

00:31:32: Also diese Verbindung eben das durch das eigene autobiografische Element oder die Erzählung in dem Sinne eigentlich gesellschaftliche Struktur und phänomene kollektive Erfahrungen ja auch zugänglich verhandelbar werden eben auch für Menschen, die das vielleicht nicht teilen als Erfahrung.

00:31:57: Also diesen Aspekt der Zugänglichkeit den du auch am Anfang angesprochen hattest so sehe ich darin

00:32:02: auch voll

00:32:10: was auch wieder eine schöne Zeitlichkeit hat.

00:32:12: also bleibe jetzt gerade gedanklich nochmal wie mit dem analogen fotografieren oder der Langsamkeit und was mich auch so ein bisschen hinleitet auf die dritte Arbeit über die wir reden wollen, Wahlverwandtschaften.

00:32:30: Aber wo ich gerade gedanklich hängen bleibe ist bei diesem... also die Transpersonlichkeit auf einer Zeitschiene auch zu sehen und das auch begreifbar für Menschen zu machen, die sich mit solchen Identitäten weniger auseinandersetzen oder die eben auch total in Frage stellen weil sie es nicht verstehen und auch nicht wissen, weil es vielleicht auch keine Bezüge gibt oder so.

00:33:07: Und ich finde das aber schon interessant, weil natürlich die Persönlichkeit eines jeden anderen Menschen auf einer Zeitschiene funktioniert und da auch eine Veränderung unterliegt.

00:33:17: also... Man bestimmt auch sagen kann, an irgendeinen Punkt ist man der Mensch, der man isst.

00:33:22: Aber trotzdem verändert sich so ein Charakter oder die Sichtweisen und

00:33:27: auch der Körper.

00:33:29: und auch genau der Körper.

00:33:32: Und ich fand das gerade eine schöne poetische Verlinkung zu dem, weil wir hatten ja auch angefangen oder mit diesem Transidentitäten gerade auch einer großen Gewalt wieder ausgesetzt.

00:33:46: Wir sind so... Es ist aber ja auch, wenn man das auf diese Zeitschiene gerade mal hebt.

00:33:55: Trotzdem gibt es eine Poesie, die eben gleich ist zu... Also wie wir auch sagten, es ist eigentlich wichtig ob da eine Transperson auf dem Foto ist oder einfach nur der Mensch.

00:34:09: Das ging mir grad so durch den Kopf!

00:34:14: Wahlverwandtschaften.

00:34:16: Da fing mir auch die Zeitlichkeit auf, die Zeitschine.

00:34:22: Seit wieviel Jahren machst du die Wahlverwandschaft

00:34:24: schon?

00:34:25: Seit Jahrzehnte.

00:34:27: Das sind jetzt sechs Jahre, ne?

00:34:29: Genau.

00:34:30: also es gibt schon auch noch ein früheres Bild aber dass ich quasi angefangen habe das als Projekt zu sehen und quasi durchgezogen ist seit Jahrzehnzehnt.

00:34:41: Und das begann eigentlich dadurch, dass während Corona es gab ja die Kontaktbeschränkungen in der ersten im ersten Lockdown, die extrem streng waren mit du darfst nur deine Kernfamilie sehen.

00:34:59: Und da ist ja auch so ein bisschen die queere Community sehr laut geworden war ja viele in anderen nicht normativen Familienmodellen leben und da fing dann setzte dann eigentlich mein Projekt an das Ich quasi gemerkt habe so, hey Familie wird immer noch so krass als politische Institutionen von der Gesellschaft getragen und auch durch politische Regelungen Gesetze gestärkt.

00:35:36: Und hat ja auch eine extrem lange Geschichte mit Kirche etc... Und ich habe mich davor schon auch mit Familie den Begriff auseinandergesetzt in meiner Arbeit.

00:35:50: Familie Ritschi, wo es um meine Kernfamilie geht und von dort ausgehend habe ich das dann quasi die Arbeit Wahlverwandtschaft begonnen weil ich auch so gemerkt habe was ist denn eigentlich für mich Familie?

00:36:04: Wer ist Familie?

00:36:05: Wem fühle ich als Familie so Genau?

00:36:12: und das sind für mich eigentlich die Menschen, die in meinem Teil meines Lebens sind.

00:36:18: Und mit denen ich Momente teile, Nähe teile Emotionen teile Die mich begleiten.

00:36:28: auf verschiedenen Reisen quasi also emotionalen reisen meine ich jetzt genau.

00:36:38: Ich mache das seitdem, dass ich jedes Jahr einmal alle einlade und einen Bild aufnehme und einen schönen Tag oder Abend mit der Gruppe verbringe.

00:36:56: Und die Menschen ändern sich manchmal auch ein bisschen.

00:37:01: Das hat Gründe von jemand ist für zwei Jahre im Ausland Eine Person, mit der man jetzt nicht mehr so nah befreundet oder fällt vielleicht auch traurigerweise weg aus dem Leben.

00:37:18: Und da bin ich halt ziemlich ehrlich jedes Mal, wer ist denn jetzt eigentlich gerade?

00:37:23: Wer sind denn jetzt die Personen und muss bzw.

00:37:27: checkt da bei mir selber immer jedes Jahr neu ein.

00:37:33: Dann gibt es aber auch Menschen, die wieder auftauchen.

00:37:35: Die sind dann mal zwei-, drei-mal nicht dabei Also dann in dem Fall auch Jahre und kommen dann wieder so.

00:37:42: Und das gab dann vielleicht zwischenmenschlich eine Pause, wo man sich nicht so oft gesehen hat.

00:37:47: aber man ist jetzt nicht... heißt nicht dass man nicht mehr im Kontakt war, aber dann kommen die wieder dazu und es ist auch total legitim.

00:38:00: Das heißt du bist das Zentrum?

00:38:02: Du bist auch oft nicht immer, aber manchmal im Zentrum der bilderischen

00:38:06: Anordnung.

00:38:08: Wenn wir die Bilder aufnehmen, dann mache ich acht bis zehn Aufnahmen und sie sind mit Großformat fotografiert.

00:38:23: Es ist immer so die Idee, dass ihr jedermal überall saß oder stand.

00:38:28: Das wäre unsere Frage!

00:38:30: Überlegst du dir... Du bist?

00:38:32: Nein, genau.

00:38:33: Also es ist ganz frei und das ist mir auch total wichtig, also dass ich jetzt nicht hier in meinem Zentrum bin.

00:38:39: Dass dann oft das Bild ist hat eher andere Gründe.

00:38:43: Es gibt Momente da hat jemand mal die Augen zu guckt jemand aus Versehen in eine andere Richtung.

00:38:49: Es sind ja immer viele Personen, das heißt es gibt viele Möglichkeiten dass jemand mal zwingt hat, wegguckt etc.

00:39:00: und dann will ich natürlich am Schluss ein Bild aus was stimmig ist wo alle einen guten Blick haben bestenfalls, wo die Komposition für mich stimmt.

00:39:15: Manchmal ist das auch so dass jemanden an der Stelle sitzt wo ich sage es passt jetzt irgendwie nicht so.

00:39:21: vom Bildaufbau her sind alles Sachen die genau ich natürlich schon vor Ort versuche mitzudenken.

00:39:27: aber das passiert halt auch.

00:39:31: man sieht ja auch alles auf dem Kopf.

00:39:38: Das heißt du wechselst dann natürlich auch die Platte jedes Mal, wenn du sagst acht bis zehn Aufnahmen.

00:39:43: Genau ich habe Kassetten da sind zwei Filme drin und muss jedes mal wechseln.

00:39:51: ja klar!

00:39:52: Es wird sich.

00:39:53: jetzt hast du beide Punkte die wir so zu Wahlverwandtschaften auf der Liste stand schon vorweggenommen.

00:39:59: also genau weil ich fragte mich einmal wie kommt diese Gruppenkonstellation zustande?

00:40:05: auf der Bahnfahrt, die durchgeguckt hat und dann dachte so okay.

00:40:09: Die Person taucht öfters auch fehlt aber auch mal.

00:40:12: Aber drei oder vier Personen, die eine gewisse Kontinuität haben und dann haben wir in einer Gruppe von fünfzehn, die Fluide dazu kommen oder verschwinden.

00:40:22: könnten man das vielleicht?

00:40:24: Also wenn man das überhaupt so numerisch festlegen will... ...aber es gibt einen kleinen sehr engen Kreis würde ich denken und einen erweiterten Kreis.

00:40:32: Das ist interessant.

00:40:36: So analysiert habe ich das selber noch gar nicht.

00:40:44: Das könnte ich dir jetzt gar nicht beantworten, muss ich ganz ehrlich sein.

00:40:48: Ist vielleicht auch überhaupt nicht wichtig aber ich guckte da so drauf oder es gab zwei und das eine andere ist einmal diese... Ich fragte mich dann welche Verbindung haben die Menschen untereinander?

00:41:01: Also genau du sitzt auf den veröffentlichten Fotos auf den meisten bist du eher in der Mitte und ich frage mich dann haben die Menschen, die mit dir auf diesem Foto sind eigentlich auch den Beziehungsstatus untereinander zu einem wording von Wahlverwandtschaft oder kennen die sich in Teilen gar nicht unter.

00:41:23: Also ich mich habe mir da schon viele Fragen gestellt und darüber kam ich dann auch dazu und fragte mich genau, wie ist welche Konstellation hat diese Gruppe?

00:41:33: Das dachte ich mir dann auch wieder gerade schön sagt, dass manche sind vielleicht auch mal nicht da oder können nicht oder aber jedoch... Ich hab mich da ganz viel gefragt Wer sind diese Personen, die auch über dieses Zeitfenster diese Wahlverwandtschaft ausmachen?

00:41:51: Ja das ist eine gute Frage.

00:41:53: Also erst mal werden sie durch mich zusammengebracht.

00:41:59: es gibt Freundinenschaften, die untereinander entstanden sind aber auch wieder über mich dann also die Person kommen eigentlich aus unterschiedlichsten Kontexten Manche über das Studium, manche privat.

00:42:20: Ich finde es ganz interessant dass ich oft von den Personen die beteiligt sind an diesem Projekt als Feedback höre dass das ja total schön ist, dass es diese Regelmäßigkeit hat.

00:42:34: Weil es wirklich ist wie dieses regelmäßige Familientreffen an Weihnachten.

00:42:38: Man sieht sich das ganze Jahr nicht und dann am Weihnachten siehst du die ganze Familie wieder.

00:42:43: Und dann hat man vielleicht auch nur sporadisch Kontakt des Jahres über und dann sieht man sich an Weihnachtens wieder.

00:42:48: Dass dieser Arbeit was Ähnliches macht... Die Personen sehen sich dann halt mal über mich auch an einem Geburtstag oder irgendeine andere Sache und vielleicht eine Ausstellungseröffnung.

00:43:01: Aber jetzt nicht so auf diese intensive Art, wo man wirklich als ne Gruppe von sagen wir acht Leuten den kompletten Tag- oder Abend verbringt.

00:43:12: Und das fand ich eigentlich ein ganz tolles Feedback weil... Das ist ja auch eigentlich das was womit ich mich auseinandersetze und was es ja für mich auch ein bisschen ist, ne?

00:43:22: Also eine neue Form finden in der man sich wohlfühlt.

00:43:27: Und wo auch alle gerne hingehen.

00:43:30: also dass das auch jetzt einen Tag ist den wir gemeinsam gerne verbringen und der eben nicht diese aufgeladenen Konflikte die oft eine Kernfamilie mit sich bringt oder auch dieses biologische Genau sondern einfach eben eine neue form neues Konstrukt bildet.

00:43:52: Ja, also die auf der einen Seite funktioniert es ähnlich wie dieses sehr hegemoniale eben Kernfarm oder Großfamilien-Konstrukt.

00:44:00: Man sieht sich eigentlich nur einmal im Jahr und man hat irgendwie eine Verbindung und das ist irgendwie klar.

00:44:05: diese Person ist Teil meines Lebens auch sehr peripher aber ich sehe sie an diesem Tag auf jeden Fall Wie soll ich sagen, so eine Verbindlichkeit über sehr viele Jahre.

00:44:21: Und gleichzeitig dreht es das nochmal ganz anders um weil es eben nicht eine Pflichtveranstaltung ist wie manchmal für manche Menschen Weihnachten eine Pflechtveranstaltung ist und auch dieses Familienporträt was dann ja auch immer mal wieder in so familiären Kontexten passiert natürlich also offensichtliche Parallele dass das quasi du dir diese Form dann auch aneignest, um über soziale Zugehörigkeiten zu sprechen.

00:44:51: Und ich verstehe das total – da habe ich auch sehr viel diskutiert in der Corona-Zeit mit eben queeren Menschen wie brutal!

00:44:59: Das war zu erfahren dass eben in dieser extremen Situation ab der Isolation keinerlei Empathie für Diese Lebensrealität existiert, dass diese Zugänglichkeit, emotionale Sicherheit sich eben nicht in der Kernfamilie notwendigerweise befindet.

00:45:22: Und das ist ja aber auch etwas was viele Menschen teilen.

00:45:27: Also auch darüber kann man nachdenken, ausschließlich für Query-Identitäten und dass sich da dann eigentlich eine Form von eben auch Empathie oder einfach Verständnis,

00:45:39: also Zusammenhänge.

00:45:43: Dass ich das über dieses Bild darüber nachdenken kann.

00:45:54: Dieses Bild vergleicht das eben, ist diese Gruppe auf diesem Sofa dass sich auch immer wieder wiederholt.

00:45:59: Wir gucken auch tatsächlich... Das hat auch eine historische Bedeutung, auch tatsächlich familiale Bedeutschung für dich.

00:46:04: Ja es ist ein Erbstück von meiner Ur-Oma.

00:46:11: Diese schöne braune Sofa und doch hat das Bild so ne sehr alltäglichkeit also sehr schlicht halt auch.

00:46:21: Und wenn ich dann die Fotos von Transestas mir angucke, wo das Porträt sehr geformt ist finde ich es einfach sehr interessant wie sie so die Bildsprachen sehr unterschiedlich sind.

00:46:35: Kannst

00:46:37: du anfangen?

00:46:41: Ja ja ich weiß was du meinst Ich sehe trotzdem eine Ähnlichkeit aber vielleicht ist es so meins also weil dass du vielleicht einfach verschiedene Schwerpunkte von meinem Werk einfach generell sind.

00:46:56: Also diese Porträt, die eher ein Individuum darst und zeigen und auch ein bisschen repräsentieren wollen Gruppenaufnahmen, wo natürlich mehrere Individuen sind die alle irgendwie einen Platz und Raum haben sollen auf diesem Bild.

00:47:19: Und sich auch irgendwie in Konkurrenz miteinander stehen.

00:47:22: Natürlich so ein bisschen wer hat jetzt mehr Platz?

00:47:24: Auch wenn das gar nicht bewusst stattfindet.

00:47:27: Aber ist auch eine Sache, wo ich die letzten Jahre irgendwie gelernt habe wie ich dann auch aufpassen muss dass wirklich alle auf die gleiche Art gesehen werden können

00:47:45: Unspannend ist, das hat Carsten.

00:47:47: Da spiele ich mal den Ball zu dir, weil das ist mir überhaupt nicht aufgefallen.

00:47:52: und dann hat sich so ein ganz gespanntes Gespräch zwischen dir und mir vorhin entwickelt im Zug wegen der Fernauslösung.

00:48:00: Ja!

00:48:01: Der Fernauslöse.

00:48:02: So nennt man das.

00:48:03: im Unterschied zum Selbstauslöser, weil du für die nicht fotografierenden Menschen also die Kamera wird bedient über ein Kabel mit einem analogen Mechanismus der sozusagen das Foto dann macht.

00:48:20: Also

00:48:21: Luftdruck?

00:48:22: Genau!

00:48:24: Jay Ritchie entscheidet die Sekunde selber, in der das Foto passiert.

00:48:29: Und warum ich das jetzt so explizit sage?

00:48:31: Es ist der Unterschied als würde man seine Kamera hinstellen sie auf einen zehn sekündigen Selbstaufslösermechanismus einstellen drauf drücken und dann in das Bild hineingehen.

00:48:45: Das fand ich interessant auch in der Kommunikation zu den Menschen, die Teil dieser Inszenierung sind.

00:48:52: Weil bei diesem zehn sekündigen Selbstauslösermodus, wie wenn die die fotografierten Menschen etwa einschätzen können.

00:49:03: Wann ist die Sekunde in der sie aufgenommen werden?

00:49:06: Und da war jetzt so die Frage, die ich gespannt fand Wenn du den Auslöser drückst wissen um dich herumstehenden Personen, dass es jetzt... Also gibt es sowas wie okay in einer Sekunde löse ich aus oder passiert das?

00:49:24: Ich fand das auch ein Spannungsfeld und irgendwie fand nicht das interessant.

00:49:28: Weil ich fand es sind zwei unterschiedliche Arten und weisen wie dieses Foto entsteht oder wie diese Gruppe abgelichtet wird.

00:49:38: Und das fand ich dann wieder total interessant, eben auch zu dem wir entstehen Trancestors und also wie deine Arbeitsweise generell ist.

00:49:46: und deswegen dieser kleine längere Schlenker über den Fernauslöser.

00:49:53: Also ich zähle runter.

00:49:54: Du zählst?

00:49:55: Also drei zwei eins so was ich auslöse.

00:49:59: Das heißt es haben alle nochmal die Möglichkeit sich vom Lachenfall zu beruhigen oder das Hemd zu richten und es dauert auch tatsächlich ein bisschen, bis ich dann irgendwie mich hingesetzt habe.

00:50:18: Bis dann alle nochmal eine Gruppe von acht Leuten.

00:50:23: Manchmal sind wir sogar mehr, sich alle noch mal gerichtet haben da würden zehn Minuten nicht ausreichen zum Beispiel.

00:50:30: also da müsste man So ein Fernauslöser auch nochmal deutlich länger einstellen.

00:50:38: Ja, aber es ist ja auch natürlich einerseits eine Machtposition die ich dann quasi habe.

00:50:45: Ich kann selber entscheiden wann ist der Moment wo ich auslösen möchte?

00:50:53: Diese Position gefällt mir.

00:50:55: das kann nicht so sagen und Mir ist auch wichtig, dass es um meine Wahlverwandtschaft geht.

00:51:06: Es geht jetzt hier nicht um die Wahlverandschaft von XY sondern das ist meine, die ich zusammengestellt habe für mich selber wie sie sich richtig anfühlt.

00:51:15: also so wie eigentlich viele meiner Arbeiten gehe ich von meiner eigenen Position aus über die ich nämlich am besten sprechen kann weil Ich weiß und empfinde Beziehe mich dann auf gesellschaftliche politische Diskurse, die ich verhandeln möchte.

00:51:40: Da hattest du mich auch schon darauf angesprochen.

00:51:43: aber genau und das ist für mich schon auch wichtig dass das gesehen wird ja

00:51:53: Weil es ist auch schon sehr prominent auf den Fotos, ne?

00:51:55: Ja und das ist ja auch ein Selbstporträt.

00:51:57: Also es ist ja quasi... Auch in dieser Arbeit sieht man wieder meine eigene Transition also mit den Leuten um mich herum Und auch das zeigt ja wiederum wer bleibt Wer ist da Das sind hier alles emotionale Prozesse und diese Menschen sind unglaublich wichtig In diesen Veränderungen.

00:52:20: Ich finde das auch total schön, dass man dann mit dem Kabel sieht.

00:52:24: Dass das Kabel sichtbar ist und auch dieses Fern auslösen.

00:52:29: Also ich find' es sehr charmant als Element.

00:52:34: aber genau, ich finde das ist die Bildsprache oder... Es ist Teil der Bildaussage.

00:52:41: also für mich so und das sagst du ja auch und ich finde auch richtig zu sagen Es ist deine Wahlverwandtschaft und auch du bist die fotografierende Person.

00:52:52: Also es ist auch richtig zu sagen, du bist der Mensch, der auslöst, der dann wirklich auch dieses Foto macht in der Sekunde.

00:53:04: Aber auch die Macht hat diese Sekunde für sich zu entscheiden während aller anderen, die Sekunde auf eine Art Fluida erleben.

00:53:12: Schöne Arbeit!

00:53:16: Was ich noch spannend fand ist, die sind so gedrungen.

00:53:27: Die Transcessors haben so viel Raum vor dem Hintergrund und ich fragte mich nur, ist das ein Stilmittel oder ist es einfach?

00:53:37: Oder ist es dir auch wichtig dass sie so... Also es macht sie sehr kompakt.

00:53:41: Es ist ein sehr kompaktes Gruppenfoto

00:53:45: würde einfach das sind zwei komplett unterschiedliche Arbeiten.

00:53:48: Also bei den Transhausters geht es ja wirklich um die Individualitäten, also um die Person alleine.

00:53:55: und bei der Wahlverwandtschaft gibt's irgendwie uns als Gruppe, uns als Verwandtschaft und das ist auch angelehnt an einfach das Porträt einer Familie aus der Kunstgeschichte.

00:54:10: Wie sind da bestimmt, also auch mein Aufbau ist ja quasi ähnlich wie so klassische Familienmalereien und das soll es ja auch sein.

00:54:23: Also ich knüpfe da auch an und weil es soll eben dieses aufbrechen... dieser Familie, die wir eben aus der Geschichte kennen.

00:54:36: Die eben als politische Institution so verankert ist in der Gesellschaft und das alle auch so nahe aneinander sitzen oder sich auch oft berühren.

00:54:50: auf vielen Fotos oder Händchen halten hat man ja immer verschiedene Menschen, die da eine Nähe miteinander haben.

00:54:56: Das heißt wenn man näher reinsumt in bestimmte Bilder dann siehst du Plötzlich haben halt eine Person vielleicht die Händchen von zwei anderen Personen in der Hand oder so.

00:55:06: Das soll ja auch die Nähe untereinander zeigen, also dass klar kommen die Personen über mich zusammen aber die entwickeln auch ihre eigenen Beziehungen untereinander und ihre eigenen Dynamiken und ihre eigene Nähe und Zärtlichkeit.

00:55:22: Und das ist ja auch Teil dieses Projektes Dass da eben eine Verwandtschaft entsteht die ich quasi initiiere.

00:55:35: Und das ist natürlich so auch in dem fotografischen Prozess, es ist inszeniert.

00:55:42: Es ist ein inszeniertes Bild im Sinne von Ich entscheide den Ausschnitt alle nehmen Platz ein und so hat auch irgendwie was Perfomatives Und gleichzeitig gibt es natürlich total viele Sachen, die unbewusst entstehen.

00:56:05: Wie das mit den Händchen halten oder legt dann doch mal jemand den Arm über den anderen?

00:56:12: Das sind natürlich Sachen auf die ich jetzt in meinem Prozess weniger achte.

00:56:17: Ich gucke eher auf die Komposition an sich und diese gestalterischen Elemente.

00:56:23: aber die Sachen, sollen ja auch ein bisschen diese Inszenierung vielleicht aufbrechen.

00:56:36: Du bist

00:56:37: super präsent in den Arbeiten, auch in denen arbeiten die nicht deinen eigenen Körper zeigen weil du Teil eines Diskurses und einer Community bist, die dort Repräsentanz findet.

00:56:52: ich glaube wir haben jetzt eben in dieser Stunde in der wir gesprochen haben total verstanden.

00:56:56: das ist persönliche arbeiten sind.

00:56:59: und doch habe ich das Gefühl, dass es eben eigentlich nicht darum geht dich selber zu präsentieren oder auszustellen in so einer Eitelkeit sondern gar nicht.

00:57:12: Sondern es geht eigentlich darum durch das Erscheinen deiner selbst wie eigentlich als Medium um auf was anderes zu verweisen.

00:57:26: So würde ich das irgendwie

00:57:27: beschreiben Das hatte ich, glaube ich auch schon mal kurz angeschnitten wie das wenn ich natürlich von mir selber erzähle dass sich dann viel besser darüber sprechen kann.

00:57:40: Also über diese einfach Erfahrungen die man macht etc.

00:57:45: und auch dieses zu Transest ist es so aus der Community für die Community ein Projekt ist.

00:57:56: Es ist natürlich was ganz anderes eben nicht diesen dokumentarischen Charakter von.

00:58:01: ich gehe von außen in eine Welt rein, der ich nicht zugehörig bin.

00:58:07: Fotografiere mich da ab und gehe wieder.

00:58:10: Das finde ich nämlich auch ein bisschen problematisch sondern ich gehe halt... ...bin in der Welt unterwegs, an der ich eh unterwegs bin.

00:58:19: das heißt ich habe auch ne ganz andere Nähe und ne ganz andre Zugänglichkeit.

00:58:27: Ich weiß, wie die Strukturen sind und muss mich nicht im Vorwerk darüber informieren.

00:58:32: Sondern es ist eine andere Art von Sensibilität glaube ich auch den Menschen gegenüber und auch eine Art von Respekt meiner Meinung nach ja.

00:58:43: Schön!

00:58:49: Eigentlich

00:58:49: ist das ein sehr schönes Schlusswort.

00:58:51: Das

00:58:52: wollte ich auch gerade sagen.

00:58:54: Sehr schön Danke Jay Ritchie.

00:58:57: Ja danke euch

00:58:59: Ja danke dir.

00:59:01: Schön dass wir hier sein durften.

00:59:02: Möchtest du noch etwas?

00:59:04: Möchte was mit?

00:59:07: Nein, ich fand es ein sehr schönes Gespräch.

00:59:10: Ehrlich!

00:59:14: Danke dass wir hier sein konnten und danke in der Atelier gewesen sein

00:59:18: zu können

00:59:19: Und

00:59:21: wir sehen uns dann im Juni wieder Ja, vor anderen Menschen mit dir gemeinsam.

00:59:29: Mit anderen Menschen über deine Arbeit sprechen.

00:59:33: Vom zwölften bis zum vierzehnten Juni ist die Veranstaltung von der lächelnde Hase im Rahmen der Fototrienale wo wir uns mit Fotografie als auch Medium der Auseinandersetzung mit Körperlichkeiten beschäftigen wo dann deine Position auf drei andere Positionen treffen wird, nämlich die Position von Hoshana Hiyos, Linda Hansen und Sina Nimoja.

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