Sina Niemeyer

Shownotes

Weitere Informationen unter: https://sinaniemeyer.com/ Ihr findet uns auf Instagram unter www.instagram.com/der.laechelnde.hase

Dieses Gespräch ist am 20. Juli 2026 im FSK Hamburg als Radiosendung zu hören.

– “The act of representing others almost always involves violence to the subject of representation.” ~ Edward Said, In the Shadow of the West

– Susan Sontag, ‚Das Leiden anderer betrachten‘

– Toni Morrison: ‚Rezitativ', mit einem Nachwort von Zadie Smith, Rowohlt Verlag

– DMJX Aarhus, Denmark

Transkript anzeigen

00:00:00: Sie hören der lächelnde Hase, Künstlerinnen Gespräche mit.

00:00:05: Matt Lehnlauch und Carsten Rabe heute zu Gast.

00:00:09: Sina Nimaia.

00:00:10: Hallo Sina!

00:00:12: Hallo!

00:00:13: Schön dass du da bist.

00:00:15: Danke für die Einladung.

00:00:17: Siner Du bist Teil eines Projekts das wir als der Lächel in der Hase initiiert haben im Rahmen des Trienale Expanded-Programms der Fototrienale, die dieses Jahr im Juni hier in Hamburg stattfinden wird.

00:00:31: Indem wir uns mit vier fotografischen Personen und Positionen über Normalitäten, normative Normalisierungsprozesse unterhalten.

00:00:41: Und in diesem Zuge nehmen wir diese Sendung heute mit dir auf.

00:00:44: und da bist du extra von Berlin nach Hamburg gekommen Ja, aber das habe ich sehr gerne gemacht.

00:00:49: Da freuen wir uns sehr.

00:00:50: du bist eigentlich nämlich in Berlin also arbeitest dort im berlin als Fotografin und Wir werden auch noch live mit dir sprechen im Rahmen des Expanded Triennale Expanded-Programms.

00:01:02: Und jetzt wollen wir aber erst mal dich kennenlernen in deiner fotografischen Praxis?

00:01:09: Du bist Fotografin und lustigerweise haben wir Dich im Zuge von unserem Research zum Thema Questioning Normalcy und zum Thema der Fototriennale, und genau auf dich gestoßen bin ich aber durch dein journalistisches Arbeiten und vor allem dein aktivistisches grafisches berg.

00:01:30: Und das fand ich sehr interessant, weil du eben rausgehst in öffentlichen Raum.

00:01:35: In die Welt gehst Menschen dokumentierst, die sich engagieren, die aufstehen, die Teil von Demonstration oder von Widerspruch sind gegen die herrschenden Zustände seien sie durch Großkonzerne oder gesellschaftliche Entwicklung und das fand Ich sehr interessant Weil Du damit irgendwie auch so eine aussterbende Spezies repräsentierst nämlich Dokumentarfotografinnen die Zeitgeschehen festhalten und in die Welt bringen.

00:02:05: Genau, bevor ich jetzt eine ganze Viertelstunde über dich rede kommen wir doch zum konkreten Thema weil eine Arbeit in der ganz aktuelle.

00:02:13: Du warst im Budapest vor nicht allzu langer Zeit oder?

00:02:18: Und hattest deine Residenz?

00:02:20: Ich war tatsächlich letztes Jahr zum ersten Mal und habe dort eine Geschichte produziert zu den Protesten gegen das angestrebte Pride-Verbot, zu dem Zeitpunkt.

00:02:37: Und dann gab es eben diese Residency Ausschreibung mit dem Titel Reframing Family, Feminist Perspectives Through the Lands war glaube ich der Übertitel Genau.

00:02:48: und da hatte ich dann überlegt, weil wir hatten am Jahr vorher eine Gruppe von sehr jungen Aktivistinnen kennengelernt.

00:02:55: Die hatten damals ein Festival organisiert um Kosten für die Repression dieser Proteste zu sammeln oder genau bezahlen zu können.

00:03:06: Und hatte eben gedacht, es kamen so viele Dinge zusammen.

00:03:12: Einerseits habe ich, weiß ich nicht, fast zehn Jahre lang zu patriarchaler Gewalt und Trauma gearbeitet.

00:03:17: Und war irgendwann so ein bisschen müde davon.

00:03:19: Trotzdem bleiben das aber irgendwie meine Themen.

00:03:23: Und trotzdem hatte ich aber irgendwie so einen Gefühl von euch möchte auch mal was Positiveres oder Hoffnungsvolleres machen.

00:03:30: Genau!

00:03:30: Und hatte dann eben die Idee... Ja, ein Projekt zu machen über Solidarzusammenschlüsse eigentlich von Flinterpersonen.

00:03:39: Also ich kann den Begriff nochmal kurz erklären vielleicht für alle die den nicht kennen steht sowohl im Deutschen als auch Englischen für Frauen, Lästen inter non-binary oder non-nichtbinäre Trans und Artinderpersonen.

00:03:53: Genau und weil das eben was ist in der letzten Zeit sehr viel auch gesehen habe, dass es immer mehr Gruppierungen, Zusammenschlüsse und so weiter gibt.

00:04:04: Und die ja einfach auch sehr wichtig sind für die entsprechenden Personen aber eben gleichzeitig auch total bedroht durch eben solche Bestrebungen wie wir wollen Pride verbieten oder auch genau also Deutschland gibt's ja auch im Moment sehr viel Defunding.

00:04:22: Genau und im Zuge dieses Aufenthalts in Budapest hast du ein photo- und journalistisches Fotoprojekt auch gemacht, indem du eine Frauengruppe, eine Flintergruppe begleitet hast die zu einem Batterie gegen einen Batteriewerk demonstriert haben.

00:04:38: Ist das so richtig?

00:04:39: Genau.

00:04:40: also es gab eben diese eine Gruppe Aktivistinnen, die dieses festige Wille gemacht haben und dann habe ich während ich da war in der Residenz hier recherchiert Ich habe auch so Aushänge gemacht, teilweise in den queeren Kulturzentren, teilweise einfach auf der Straße.

00:04:54: Das sind ganz viele Gruppen geschickt und eine Gruppe, auf die ich aufmerksam geworden bin tatsächlich über eine andere Ausstellung sind die Mütter von Mikke Pärtsch Und die demonstrieren seit mehreren Jahren gegen die Batteriefirma dort genau wegen den Konsequenzen für die Umwelt, die es hat und natürlich auch für deren Lebensgrundlage, für Deren Kinder usw.

00:05:21: Und das ist... ich fand das einfach eine sehr schöne Geschichte weil sozusagen diese Mütter haben sich anfangs zusammengeschlossen und haben aber auch erzählt ja am Anfang irgendwie keiner wollte so richtig mitmachen, keiner hat uns richtig ernst genommen und nach und nach haben aber die Männer aus dem Dorf sich auch diesen Protesten angeschlossen was?

00:05:42: Und auf jeden Fall uns interessiert ist, dass du deine Bewegung so in den Raum wo dann Dinge passieren.

00:05:53: Also eben du bist dann viel aktiv in Momenten dabei vielleicht im öffentlichen Raum.

00:06:00: Also du fotografierst viel im Öffentlichen aus sagen wir es so.

00:06:02: also du bist viel draußen unterwegs und fotografierest.

00:06:06: Welt ist ja dann damit auch irgendwie immer implizit.

00:06:11: Also das Bild passiert hier nicht im leeren Raum sozusagen, aber du setzt dich dann auch dieser Welt aus und in den Bildern habe ich den Eindruck die zeigen eine große Nähe zu dem Geschehen.

00:06:27: Würdest du das so beschreiben, also dass es auch für dich wichtig ist an Orte zu gehen und wirklich irgendwie in Kontakt zu kommen mit den Orten?

00:06:34: Mit den Menschen.

00:06:35: Du arbeitest genau... In vielen Kontexten dokumentarisch.

00:06:40: Hast auch eine fotodokumentarische Ausbildung.

00:06:44: Was ist so dein Verhältnis zu?

00:06:46: wie nah gehe ich rein Wie viel versuche ich Abstand zu wahren Also wie sehr involviere Ich mich mit dem Geschehen sozusagen?

00:06:56: Ja also ich würde sagen, dass ich so mit der Welt interagiere habe ich eigentlich über den Umweg gemacht von erstmal mit mir selbst ganz viel zu interagieren oder meine eigenen Themen mir erst mal anzuschauen.

00:07:14: Also ich hab Fotosjournalismus studiert und habe aber während ich das studiert eigentlich sehr schnell, sehr viel Kritik daran entwickelt.

00:07:23: Weil sozusagen so die klassische Idee vom Fotojournalismus ist ja irgendwie eine sehr Eurozentrierte und irgendwie eher weiße privilegierte Menschen gehen raus in die Welt und fotografieren Leid und kommen dann irgendwie damit wieder nach Hause und gewinnen Preise dafür und verdienen damit ihr Geld.

00:07:41: Und das war irgendwie so ein bisschen was wenn ich das quasi im Extrem gesehen habe... Ja, einfach während des Studiums schon was wo ich dachte, das möchte ich nicht oder auch teilweise in Situationen mit Menschen die ich fotografiert habe.

00:07:56: Die einfach sehr intim waren da dann zu fotografieren.

00:08:01: Ich mich teilweise nicht wohl gefühlt habe also ich teilweise das Gefühl hatte Das ist eigentlich gerade so schnell oder es fühlt sich irgendwie nicht richtig an und aber sozusagen ist ja schon auch viel im Mann.

00:08:12: Druck gab von Ja wir brauchen die intimen Bilder sind druck bestimmte Foto, also das Foto zu machen um dann auch eine... und das hat sich für dich auf eine Art und Weise voyeuristisch und in den Machtgefälle.

00:08:27: Ja, so ein Druck in die Intimsphäre von jemandem einzudringen wirklich und vielleicht zu einem Zeitpunkt wo es einfach nicht angemessen ist?

00:08:37: Genau!

00:08:37: Dann habe ich ja erstmal mich davon so ein bisschen abgewendet Mein Projekt über Missbrauch gemacht und irgendwie viel mich mit mir selbst beschäftigt in meiner Fotografie.

00:08:48: Und ich glaube, das war ein total wichtiger Prozess, weil ich jetzt sozusagen wieder in der Interaktion mit dem Außen-, mit der Öffentlichkeit, mit der Welt merke.

00:08:59: okay, ich habe ganz viele Fragen für mich irgendwie klären können von eben genau wie gehe ich mit meinem Gegenüber um?

00:09:07: Mir wichtig, wie ich irgendwie weiß okay.

00:09:11: Ich respektiere die andere Person.

00:09:12: Ich habe mir irgendwie Einwilligungen abgeholt und so weiter und sofort Und das auch in der Regel mit der anderen Person oder den anderen zu besprechen Wie fühlt ihr euch wohl?

00:09:22: Was sind deine Grenzen?

00:09:24: Was möchtest du eigentlich?

00:09:25: Warum machst du in diesem Projekt mit?

00:09:28: Genau dass irgendwie ganz viele Fragen sind, die mir wichtig sind Genau und dann natürlich bei so stark journalistischen Jobs ist es natürlich manchmal einfach nicht möglich, wenn man draußen unterwegs ist.

00:09:40: Und sehr viel auf einmal passiert irgendwie diese Gespräche mit allen Personen vorher zu führen.

00:09:45: aber ich würde sozusagen ganz grob komprimiert sagen die Beschäftigung mit dem eigenen hat eben sehr viel geholfen für mich so ein Wertekompass mit der Arbeit im Journalismus zu entwickeln.

00:09:59: Ja auch dein Interesse geformt, was du journalistisch festhalten möchtest.

00:10:07: Also in deinen Arbeiten sind eben viele Porträts.

00:10:10: also das ist ja auch erst mal würde man auch so ein bisschen erwarten vielleicht wenn es darum geht genau Menschen zu fotografieren die irgendwas tun sozusagen.

00:10:21: aber was meine ich damit?

00:10:26: Wie ist dein Blick als journalistische fotografierende Person eingefärbt?

00:10:32: durch eben die künstlerische Arbeit.

00:10:34: Du bist ja so eine Grenzgängerin, das hast du selber schon gesagt zwischen deiner listischer Tätigkeit und eben künstlerscher Arbeit.

00:10:41: wie verschmelzen da also die Bereiche auch aus woran du interessiert bist zu fotografieren mit welchem Blick du das tust?

00:10:51: Also, ja es gibt so beides.

00:10:54: Ich merke manchmal ist es total quasi inspiriert es sich gegenseitig was aus den freien Projekten mit in die journalistische Arbeit zu nehmen.

00:11:05: und manchmal merke ich aber auch naja jetzt muss man ein bisschen zackiger arbeiten im journalistischen oder ja sozusagen einfach auch an ich sage mal einfacher eindeutigere Bilder denken oder so oder wie sich auch dein Blick, also zum Beispiel du hast jetzt gerade sowas wie Einfachheit genannt.

00:11:25: Ich würde das vielleicht als eine Direktheit beschreiben und das sehe ich schon so voll in deinen Arbeiten, was mir total aufgefallen ist – dass es diese sehr nähe im Sinne von der DirekTheit mit den Personen... irgendwie aufbaut, also zumindestens für mich.

00:11:41: Ich schaue mir die Arbeiten an und irgendwie bin ich relativ nah dran habe ich das Gefühl Das ist vielleicht auch eben gefärbt dadurch dass ich eben auch deine arbeiten kenne in denen du dich selber fotografiert hast in deiner künstlerischen Praxis Und auch da sehr...ich werde sehr schnell sehr schnell zu dir ran gezogen sozusagen.

00:11:58: Also dieses Verhältnis von Nähe und Distanz.

00:12:00: irgendwie finde ich interessant was Ja wie sich das ja in deine Arbeit so ausgestaltet.

00:12:09: Ja, also ich glaube genau... Ich habe ja sehr lange freie Arbeiten zu Patrick Haller Gewalt gemacht und zu teilweise auch einfach sehr traumatisierenden Themen.

00:12:23: Wo ich natürlich eine große Sensibilität brauchte und sehr viel langsamer gearbeitet habe.

00:12:30: Und ich glaube schon dass ich viel davon mit ins journalistische Arbeiten genommen habe Zum Beispiel bei Aufträgen, gerade wenn es ein sensibles Thema ist.

00:12:44: Ich mir sehr viel Zeit nehme auch erst mal mit den Leuten zu sprechen und ja zu gucken dass es denen gut geht damit was wir machen und das die auch irgendwie in der Handlungsfähigkeit bleiben.

00:12:56: also Es gibt ja so ganz viele participative Ansätze in der Fotografie und dann auch sehr viel theoretische Abhandlung über ist nicht der Akt des Fotografiens an sich immer ein Akt, der Gewalt oder Machtausübung.

00:13:13: Weil es gibt eben die eine Person mit der Kamera und die andere Person, die dem so ausgeliefert ist in der Theorie.

00:13:22: Aber ich versuch genau diese Dynamik in der Regel ein bisschen aufzuweichen.

00:13:28: oder also und da wirklich egal, ob es ein freies Projekt ist oder einen Auftrag.

00:13:33: Ich versuche irgendwie zu schaffen die Personen mitzunehmen.

00:13:37: Und ja ich glaube wirklich Handlungsfähigkeit das ist ein sehr wichtiges Stichwort dass die Person das Gefühl hat ich gestalte das hier irgendwie auch mit auch wenn nicht die Person bin die auf den Auslöser drückt oder das technische Know-how hat.

00:13:51: aber so ich bin da als Subjekt als Person pretty picture, sage ich jetzt mal.

00:13:57: Also es klingt so abwertend.

00:13:58: aber also ja ich bin da als Person und vielleicht ist das eben auch das was du als diese Nähe spürst dass eben Ja ich schon einfach richtig doll versuche dass Menschen sich ernst genommen fühlen und Respektiert fühlen Ja und eben auch auch Mitspracherecht haben in der in ihrer Repräsentation.

00:14:24: Das sieht man aber auch in beiden, also sei es unter Projects oder auch Editorial auf deiner Webseite.

00:14:31: Ich bin da gerade nochmal so hin und her geklickt dass alle Menschen die da gezeigt werden oder die Situation eine gewisse Würde haben für den Moment Lustig, was du gerade auch noch mal sagst.

00:14:45: Weil die drei anderen Positionen, die wir eben auch in diesem Fototranale Cluster haben, denen das auch sehr wichtig ist diesen Moment wie wird fotografiert?

00:14:56: Auch wenn andere Menschen fotografiert werden also sei es bei Hujana Hiyos, die in ganz vielen langen Gesprächen mit den Menschen, die fotografiert vorher sich einstimmt, bis das Foto gemacht wird und dann gemeinsam entschieden wird.

00:15:13: Genau wie bei Jay Ritchie auch oder?

00:15:17: Bei Jay ist es auch ein gemeinschaftlicher Prozess der dann in Teilen entscheidet welches Foto ist dass letztendlich was publiziert wird und das wussten wir jetzt nicht, dass du so auch arbeitest also bei den editorial arbeiten, aber beim Rüberskippen und auch dieses Thema zum Porträt finde ich wirkt das schon auf mich dass es da so eine Handschrift sie dann nie mehr ergibt.

00:15:47: Also die so porträtiert genau auf Augenhöhe porträtiert.

00:15:55: Ja, ich glaube vor allem Würde war eigentlich das richtige Stichwort und ich musste irgendwie gerade nochmal... es gibt so ein Buch von Toni Morrison recitativ untergibt's einen Nachwort.

00:16:08: Das weiß ich gar nicht mehr von wem und das beginnt aber und ich glaube ist auch ein Satz in dem Buch.

00:16:14: Ich weiß nicht ob ihr das Buch kennt Aber es geht um zwei Geschichten von zwei kleinen Mädchen.

00:16:19: Eines schwarz, eines weiß und das wird bis zum Ende nicht aufgelöst, wer's wäre.

00:16:25: Und es spielt eben mit ganz viel Stereotypen von Armutklassismus usw.

00:16:30: Es gibt eine Szene wo die beiden wundern in einem Heim, wo sie einer der Erzieherinnen total maltretieren und dann irgendwann aber verstehen... Aber das ist ja auch eine Person.

00:16:42: Das ist nicht nur die Halblinde, die nicht gut laufen kann.

00:16:45: und es gibt so ein Satz wie Da drin ist doch noch wer?

00:16:48: Und dass wird in diesem Nachwort angeknüpft aufgenommen.

00:16:54: Ja.

00:16:55: Und ich muss daran total oft denken.

00:16:58: also es hat irgendwie total den Eindruck auf mich hinterlassen.

00:17:02: Also einfach durch die Welt zu gehen immer mit diesen Gedanken überall da drinnen ist egal irgendwie wie Ja, wie verloren jemand gerade wirkt oder wie wütend.

00:17:13: Oder wie auch immer so in jeder quasi körperlichen Hülle ist aber ein Mensch mit Gefühlen, Wünschen, Träumen, schönen Erlebnissen, schrecklichen Erlehnissen und ich glaube... Also es ging jetzt fast schon mega pathetisch!

00:17:26: Aber das ist schon was, was ich versuche wenn es möglich ist bei der Fotografie mitzudenken.

00:17:34: Und klar wenn es ganz schnelle Jobs sind dann ist es manchmal nicht möglich.

00:17:40: Ja, ich glaube in der Regel ist das so meine Haltung mit der ich anderen Menschen fotografisch begegnen möchte.

00:17:49: Aber es ist ja auch die Auswahl der Bilder.

00:17:51: Das eine ist ja der schnelle Prozess des Fotografierens auf so einem... Genau, auf deiner Webseite sinaniemeyer.com.

00:18:00: im übrigen an die Hörenden.

00:18:02: einmal kurz wenn ich auf die Bilder zum Warsaw National Independence Day schaue gehe ich davon keine Ahnung.

00:18:09: hast du bestimmt vier fünfhundert Fotos gemacht oder so?

00:18:12: und die die Du auswählst?

00:18:14: Du könntest ja auch andere auswöhlen also gehe ich voraus und die Die Du Auswähls zeigen den Menschen doch noch als menschen.

00:18:24: Ja Ja, also klar.

00:18:26: Es gibt gerade in der Dokumentarfotografie auch andere Ansätze und ich glaube... Ich bin aber für mich so ein bisschen der Überzeugung.

00:18:36: Ich glaube wir kommen nicht weiter wenn wir anderen Menschen irgendwie Respektlos behandeln oder so ein bisschen entwürdig darstellen, oder so schlecht darstellen.

00:18:47: Also kann man natürlich jetzt können wir wahrscheinlich auch drei Podcast folgen mit Füllen mit dieser Diskussion.

00:18:53: Aber genau ich für mich habe auf jeden Fall entschieden ja dass sich Auch den Menschen Mit deren Meinung Ich absolut nicht übereinstimme Ja Den trotzdem mit respekt begegnet.

00:19:07: Vielleicht ganz kurz zu dieser Arbeit, die wir jetzt gerade genannt haben.

00:19:10: Die eben hat in Warschau stattgefunden wo du den Independence Day, also dem Unabhängigkeits-Tag Polens fotografiert hast und der oder an dem sich nationalistische Gruppierungen oder Diskurse, Sentimente sehr präsent zeigen in der Öffentlichkeit Und Du warst vor Ort diesen Auflauf dann fotografiert, der auf jeden Fall extrem angsteinflößend auf mich ist.

00:19:43: Weil dort die auch von dem den partizipierenden genutzte Wildsprache eindeutig ist.

00:19:51: Nämlich die sehr stark zu im Nationalismus und Faschismus weisen.

00:19:57: Wachse kurz erzählen.

00:19:58: eben also An dieser Arbeit habe ich eben gerade auch gedacht, als ich dich fragte okay du bist viel im öffentlichen Raum unterwegs und fotografierst.

00:20:08: Das ist ja auch eine Position die unter Umständen angreifbar ist und auch gefährlich ist.

00:20:16: und da denke ich dann eben bei so einem Aufmarsch gut das ist jetzt ein Fest sozusagen der Unabhängigkeitstag angemeldete Nazi-Demo, also das sind auch noch mal andere Kontexte sozusagen.

00:20:29: Aber der Bedrohung sozusagen, Szenarien?

00:20:34: Wie war es für dich das dort zu fotografieren?

00:20:37: Ja genau ich glaube daran habe ich vorhin auch am meisten gedacht bei den Fragen in der Öffentlichkeit fotografieren.

00:20:44: und ja ich hab gestern noch über diesen Auftrag geredet.

00:20:49: Das war wahrscheinlich auch einer Dolstenaufträge aus der letzten Zeit.

00:20:57: Ich glaube einfach erstmal so vom Schockpotenzial, also ich weiß nicht wie es euch geht aber ich wusste das vorher gar nicht dass das da so jedes Jahr aussieht?

00:21:10: Doch!

00:21:11: Ich habe das schon irgendwann mal mitbekommen.

00:21:13: vor ein paar Jahren ging das man durch die Presse dass sich das so entwickelt hat, also gerade bei Polen ja auch mit seiner rechtsnationalen Regierung über Jahre.

00:21:27: Ja, genau.

00:21:27: Aber ich hab da eben gestern mit einem Freund drüber geredet auch so genau mit den aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland und ich so ein bisschen gemerkt habe ach im Moment komme ich irgendwie ganz gut damit klar und ich glaube tatsächlich weil ich das in Warschau gesehen habe und dass einfach nochmal krasser war als alles was ich bisher gesehen habe weil es wirklich bei dieser also genau sie nennen es Marsch ob man jetzt Marsch Demonstration aufläuft schwierig auszuwählen.

00:21:55: Nennen wir es mal Demonstration und der Main Block sozusagen, ja waren einfach ultra rechte Neonazis mit sehr klar erkennbaren Symbolen die mit unter zumindest in Deutschland verboten sind.

00:22:10: Es gab auch ein Feuerwerkverbot für den Tag.

00:22:16: Man weiß es natürlich nicht so genau, aber wir sind da angekommen und sind eben dann relativ schnell bei diesem Block in dieser Menschenmenge gelandet.

00:22:23: Ich habe die gefilmt und auf einmal ging überall Bengalos los – total viel Pyrotechnik!

00:22:31: Ich glaube, mein erster Impuls war zu denken das richtet sich jetzt gerade auch spezifisch gegen uns als Presse.

00:22:36: Weil man das ja zumindest auch in Deutschland mittlerweile viel von rechten Versammlungen gewöhnt ist.

00:22:44: und dann irgendwann dachte ich so okay ich glaube dass es einfach deren normales Programm und aber ja das natürlich auch schon krass war Es gibt ein offizielles Pyrotechnikverbot Und es gab gar keine Polizei vor Ort und es wurde auch einfach so gebeligt Genau, also ich glaube einmal so dieses Ja wie durchorchestriert es war was da alles möglich war öffentlich.

00:23:10: War einfach sehr schockierend und je später der tag wurde das angespannter wurde schon auch die stimmung gegenüber presse.

00:23:18: und genau.

00:23:18: wir haben dann irgendwann So eine gruppe männer interviewt und ich habe schon gemerkt während die journalisten mit denen gesprochen hat, haben sich irgendwie immer mehr um uns in einen Kreis gestellt.

00:23:30: Und ich dachte irgendwann so ja wenn dann jetzt gleich die letzte Person kommt und diesen Kreis schließt und wir umzingelt sind, dann breche ich mal das Interview ab und ich denke es ist Zeit zu gehen.

00:23:40: Genau und irgendwann habe ich auch zu ihr gesagt und meinte hey ich glaube reicht jetzt!

00:23:45: Dann wollten wir gehen und dann sind zwei nicht mehr von unserer Seite gewichen.

00:23:49: Und genau, dann meinte ich halt schon okay.

00:23:52: Dann lass uns in die andere Richtung gehen und die sind uns immer noch hinterher.

00:23:55: und dann gab es zum Glück irgendwie diese U-Bahn Stationen und das war wirklich in dem Moment also da ist mir erst aufgefallen ach ja hier ist irgendwie auch gar keine Polizei präsent.

00:24:03: wir sind gerade einfach unter hunderttausend Nazis und ich meine klar man kann viel.

00:24:08: also samm sich nach diesem bericht durchaus auch viele polInnen beschwert weil es eben also es war für die norwegische presse und alle als nazis dargestellt wurden und es gibt sicherlich auch Menschen, die da irgendwie mitlaufen.

00:24:22: Und zum Beispiel diesen ultra rechten Block gar nicht gesehen haben.

00:24:27: Vielleicht kann man sie jetzt nicht alle als Nazis bezeichnen aber ja genau ist eine andere Diskussion.

00:24:35: Grundsätzlich vertraue ich jetzt auch nicht riesig auf die Hilfe der Polizei aber in dem Moment war ich doch auf einmal so wo sind wir eigentlich gerade?

00:24:45: Wie kommen wir hier wieder raus?

00:24:48: Ja, aber es ist okay gelaufen.

00:24:50: Aber es war schon irgendwie krass und ist natürlich auch immer noch mal was anderes als Frau zu machen also die Journalistin mit der ich unterwegs bin.

00:24:59: Genau, sie eben auch eine Frau.

00:25:02: Und manchmal ist das von Vorteil und manchmal aber auch eher von Nachteilen.

00:25:07: Also ihr seid meistens zu zweit unterwegs?

00:25:09: Ja genau.

00:25:12: Da sprichst du jetzt eben diese... journalistische Arbeit an, wo im norwegischen Fernsehen regelmäßig arbeiten, genau wofür du regelmäßig Arbeiten produzierst.

00:25:24: Und dann bist du ja auch jetzt haben wir schon mehrfach darüber gesprochen eben als freie Künstlerin tätig und hast gerade gesagt das fand ich noch mal interessant dass du eigentlich eben das klang zumindest so nach der Ausbildung der photojournalistischen Ausbildung eher den Weg in die eigenen Projekte gegangen bist und dann über diese Schleife nochmal anders zur photojournalistischen Arbeit zurückgekommen ist.

00:25:53: Du nix?

00:25:56: Also, jetzt klingt das so... Weicher, als es vielleicht eine Zeit lang war.

00:26:01: Also ich hatte eine Zeitlang glaube ich ne sehr starke und auch vielleicht doch ne recht ja so binäre schwarz-weiß Kritik am Fotojournalismus.

00:26:12: mittlerweile denke ich darüber wieder ein bisschen anders weil genau also wie Carsten das von gesagt hat ist.

00:26:20: Also an sich, Fotogenalismus hat natürlich dieses Moment von etwas Wichtiges dokumentieren.

00:26:26: Etwas festhalten auf etwas hinweisen und das ist glaube ich nach wie vor eine Stärke wird immer wichtig sein und es ist natürlich auch zunehmend wichtig dass wir da Menschen haben die diese Arbeit gewissenhaft machen.

00:26:41: also ich meine es war schon immer wichtig aber schon immer Bildmanipulationen.

00:26:45: Aber es wird genau in der Zukunft noch viel wichtiger sein Genau, aber nach dem Studium hatte ich erst mal gar keinen Bock auf Foto schon alles, muss sage ich mal.

00:26:57: Und hatte eigentlich viel mehr Lust auf Kunst und das alles irgendwie freimachen.

00:27:02: Ich weiß nicht, dickköpfig oder stur.

00:27:07: Es sind immer so Worte die ich nicht so gerne mag aber... Ja entschieden!

00:27:12: Genau, ich mache schon ganz gerne worauf ich Lust habe oder was mich für wichtig halte.

00:27:18: Also ich hab so durchaus auch zwischendurch im Studium die Rückmeldung bekommen irgendwie sowas wie ja du machst das eigentlich alles ganz gut.

00:27:24: Aber Du musst ja auch mal ein bisschen gucken was gerade gebraucht oder gewollt wird und Das ist zum Beispiel was, ja das wollte ich auch nicht.

00:27:34: Also ich will viel lieber gucken, was denke ich denn?

00:27:37: Was gerade wichtig ist und was mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte.

00:27:42: Genau und das war eben ganz vielen Antrieb für die Themen, die ich gemacht habe in den letzten Jahren Und die vor allem nach dem Studium gemacht hab und genau dann kam so mehrere Sachen zusammen natürlich irgendwie eine Erschöpfung irgendwann von diesen Themen Und aber auch, also gerade zum Beispiel beim Thema Femizide ich gesehen habe okay cool es gibt langsam mehr und mehr Organisationen Künstler in Politikern.

00:28:08: Also es wird aufgegriffen das wird darüber geredet.

00:28:10: und genau weil ich glaube tatsächlich mit dem Buch über sexualisierten Missbrauch in der Kindheit da tatsächlich lange das Gefühl hatte damit ziemlich alleine zu sein, dazu zu arbeiten.

00:28:29: Du hast es eben gerade angesprochen?

00:28:31: Da redest du über die Arbeit Ignocencia mit der du dich lange beschäftigt hast und in der du auch sehr autobiografisch arbeitest aber einen viel größeren Bogen schlägst nämlich eigentlich sexualisierte Gewalt zu sprechen als gesellschaftliches Phänomen, der Akt des Fotografiens.

00:28:59: in diesem Kontext unterscheidet er sich dann ganz fundamental von dem Akt des Photografiens.

00:29:08: Im Journalismus?

00:29:13: Ja ich würde sagen also in großen Teilen.

00:29:16: ja In dem Projekt über Missbrauch ging es sehr, sehr viel darum eine Visualität für Gefühle zu finden.

00:29:29: Für Dinge die in der Vergangenheit passiert sind und Ja, also so ein Ventil zu haben und auch Erinnerung und Gefühle zu transformieren.

00:29:42: Also ich habe mich in der Zeit damals auch viel mit Fototerapie oder therapeutischen Fotografien beschäftigt.

00:29:51: Genau das kann halt einfach eine total transformative Kraft haben.

00:29:57: Und es ist was was sich sehr lange in der zeit gemacht hat und auch nachdem das buch erschienen ist dass immer wenn irgendwie Eigentlich sind es Flashbacks gewesen, wenn ich irgendwie geflutet war von Erinnerung oder so ja im Alltag auf einmal irgendwas aufkam.

00:30:13: Ich zur Kamera gegriffen habe und angefangen hab zu fotografieren und ich glaube das ist ehrlich gesagt auch wie ich zur Fotografie gekommen bin also irgendwie so eine Überforderung mit der aktuellen Realität oder der Innenwelt zu verspüren und ein Ventil zu brauchen, das irgendwie zu verarbeiten.

00:30:34: Also ich glaube dass es in ganz vielen künstlerischen Disziplinen eine Motivation sein kann Und genau für mich war Fotografie einfach the most accessible, würde ich sagen.

00:30:45: Zu der Zeit zu der ich aufgewachsen bin und in dem Haushalt in dem ich aufwachsen bin.

00:30:50: Das heißt du hast auch schon als jugendliche Person?

00:30:53: Schon immer fotografiert ja und auch viel so Bilder die man vielleicht jetzt Also ja, die dann anderen der Jugend vielleicht komisch waren irgendwie.

00:31:03: Also ja halt irgendwelche Momente oder Gegenstände oder keine Ahnung, die für viele andere jetzt nicht so Sinn gemacht haben.

00:31:08: vielleicht und es gibt auch so Stamm.

00:31:10: Die wollte ich euch eigentlich mitbringen.

00:31:12: Es gibt zwei ganz süße Bilder von mir als ganz kleines Kind schon mit einer Kamera in der Hand.

00:31:17: Ich hatte immer...die von meinem Papa habe keine Filme dafür gekriegt leider aber hab trotzdem irgendwie so immer alles festgehalten Luftbilder gemacht sozusagen.

00:31:26: Ja diese Bilder sind wohl nur In meinem Kopf.

00:31:33: Genau und ich glaube, es hat eben einerseits dieses Transformative was man ja auch oft sagt und ich glaube, das trifft zum Beispiel aber auch auf den Journalismus eher zu.

00:31:43: Das ist natürlich in dem Moment, in dem ich eine Kamera hebe, kapselt mich so ein bisschen von der Gegenwart ab... Also es ist jetzt keine Mauer, aber ich baue mir schon irgendwie so ne kleine Ebene oder also ne Hürde die man überkommen müsste quasi.

00:32:01: Ich glaube, wenn wir bei diesem Job sind in Warschau dann kann das irgendwie auch hilfreich sein quasi sich so ein bisschen davon rauszunehmen aus der kompletten Konfrontation.

00:32:17: Genau, und sonst hat es oft was Transformatives.

00:32:22: Und zum Beispiel in dem Projekt über Femizide hatte ich dann eben Die Idee und also ich glaube, es hat auch ganz gut funktioniert.

00:32:31: So war die Rückmeldung zumindest von der Familie dass sich diesen Skill nenn ich's mal sozusagen anderen Anbiete oder das technische Know-how und wie man damit arbeitet eine andere Geschichte oder einer anderen Person und anderen Erfahrungen zur Verfügung stellt.

00:32:54: Da sprichst du über die Arbeit On Every Other Day, die früher noch on every third day.

00:33:00: Ja genau am Anfang hieß sie an every third-day weil die Statistik da so war das an jedem dritten Tag ein Femizid begangen wurde.

00:33:08: und ja es ist irgendwie krass seit mehr darüber geredet wird ist die Statistic aber auch hochgegangen Und sie heißt jetzt On Every Other Day.

00:33:18: Also es gibt so eine sehr direkte Referenz eben zu der Statistik, wie oft in Deutschland Femizide vollzogen oder versucht werden zu vollziehen.

00:33:28: und da hast du einfach um das kurze Kontextualisieren was du gesagt hast mit Verbliebenen der Mutter und der Schwester eines Opfers eines Femizes gemeinsam eine Arbeit gemacht Und das finde ich ganz interessant, wie du sagst, okay.

00:33:47: Du siehst irgendwie deine fotografische Arbeit eben als ein Instrument vielleicht?

00:33:53: Dass du dann diesem Kontext zur Verfügung gestellt hast.

00:34:00: Ja und das hat natürlich auch total seine Grenzen, weil mein Kopf ist nicht der Kopf der anderen.

00:34:06: Und es gab zum Beispiel in dem Projekt schon immer wieder Punkt und also einen ganz besonderes.

00:34:13: ich hatte dann irgendwie die Idee vielleicht kann ja die Mutter auf die Bilder ihre Gedanken dazu schreiben und gerade bei dem was wir hier gerade sehen Das ist das Titelbild des Projekts auf dem die Mutter so gefühlt unendliche Tiefe taucht, also was irgendwie auch so eine Orientierungslosigkeit ausdrückt.

00:34:34: Also ist im Wasser von oben aufs Wasser aufgenommen?

00:34:38: Genau und da habe ich mir das einfach visuell ganz schön vorgestellt, da dann irgendwie mit einem weißen Stift draufzuschreiben und weiß es sowieso ne Farbe die sich in diesem Projekt immer wieder wiederholt hat, weiß und blau.

00:34:52: Und dann hatte ich schon alles vorbereitet und große schöne Abzüge gemacht.

00:34:58: Dann kam sie und meinte, du, Sina, ich will das überhaupt nicht machen!

00:35:02: Was wollte Sie nicht machen?

00:35:03: Darauf schreiben!

00:35:05: Wir waren verabredet, es lag alles in meinem Studio bereit... ...und sie kam und sagte, ich muss dir was sagen.

00:35:10: Ich glaube, ich Will das gar nicht.

00:35:15: Liebe und eben auch eher zurückhaltende Person.

00:35:18: Und sie hat sich dann schon so ein bisschen schlecht gefühlt, und ich war aber total dankbar und war so Gott zum Glück sagst du das jetzt?

00:35:24: Und hast es nicht irgendwie alles gemacht?

00:35:26: Dann geht's dir hinterher schlecht weil das natürlich... Also auch dass einfach so ein sensibles Projekt war bei dem also Ich glaube, wenn man mit solchen Themen arbeitet gibt es einfach auch ein sehr hohes Risiko von der Retraumatisierung.

00:35:41: Wenn man nicht gut aufpasst und das für mich natürlich die oberste Prämisse war dass dieses Projekt dieser Familie nicht noch mehr Trauer oder Trauma verschafft sondern im besten Falle ja für die irgendwie auch einen positiven Mehrwert hat.

00:36:01: Also auch wieder diese Frage nach wie fotografische Arbeit, abgesehen jetzt von dem einzelnen Bild was entsteht und eigentlich im Prozess eine transformative Kraft hat.

00:36:12: Auch eben diese Frage Ja, transformieren frage ich mich natürlich wohin dann.

00:36:25: Also für mich ist es ganz oft und das ist ja eh eine große Frage auch im Fotojournalismus wie ästhetisch mache ich die Bilder, die ich von was eigentlich Schrecklichen zeige.

00:36:36: also dass es ja so ein permanentes Spannungsfeld Und die Bilder in meinen Projekten sind größtenteils schon trotzdem sehr beautiful sag' ich mal Obwohl sie eben In einem ganz schrecklichen Kontext eigentlich stattfinden.

00:36:54: und aber genau das ist eben also in dem Projekt über mich selbst und dabei auch in diesem Das transformative Element gewesen.

00:37:01: Also ich habe eine Erinnerung an was total Schreckliches fangen an zu fotografieren Und sieh dann dass es was total schönes draussen stand und etwas, was mir gehört Was sich?

00:37:12: Ich hab mir das wieder angeeignet und in was anderes Schönes gegossen quasi Genau, und zum Beispiel in dem Projekt über Femizide.

00:37:24: Ja also der Mutter war es damals auch total wichtig dass es nochmal so eine andere Aufarbeitung gibt weil das da auch damals schrecklich war wie viel Presse auch teilweise bei den zu Hause ohne Vorankündigung geklingelt hat ohne sich vorzustellen Und die irgendwie so total überfallen hat genau und ihr einfach sehr wichtig war.

00:37:45: in dem projekt Noel heißt die Tochter, noch mal wirklich auch als Person zu zeigen.

00:37:51: Also so wie ich vorhin auch gesagt habe mit Träumen, Wünschen und Hobbys.

00:37:56: Ja, ja... Ignoszenz hier!

00:38:02: Wenn ich das richtig verstanden hab besteht die Arbeit eigentlich aus zwei Teilen.

00:38:05: Aus einem Video-Arbeit und aus diesem Buch.

00:38:10: Und zwar ist der Buchtitel You taught me how to be a butterfly only so you could break my wings.

00:38:17: Und der Titel, der Videoarbeit ist goodbye.

00:38:22: und du hast gesagt, du hast lange daran gearbeitet?

00:38:25: Wie lange hast du darin gearbeitet ?

00:38:27: Also ich habe vor allem lange damit gearbeitet.

00:38:30: für dich sagen das kreieren sozusagen war ein sehr katatischer schneller Prozess.

00:38:38: also ich glaube dass buch Ich meine, ich habe das Jahr zwei Tausend Sechzehn gemacht.

00:38:43: Deshalb nage mich nicht fest auf meine Erinnerung aber... ...ich würde sagen es war ein Prozess von ein paar Monaten und das Video ähnlich Und genau, ich war dann aber sehr lange mit dem Projekt.

00:38:59: Also genau, Ich habe das Buch im Jahr two thousand sixteen gemacht Das Video zwei tausend achtzehn und da kam dann auch das buch aus und Dann habe ich das also hab schon auch ich das ganz ganz viel eingereicht und genau dann gab es Aber auch sehr viel aufmerksamkeit dafür.

00:39:14: und dann war ich so Ja, äh weiß gar nicht gute zwei drei Jahre nur irgendwie damit beschäftigt.

00:39:24: Also hätte ich auch nicht gedacht vorher.

00:39:25: Ich wollte das Projekt über Femizide schon viel, viel früher anfangen und das hat sich dann immer weiter nach hinten rausgeschoben.

00:39:31: Genau!

00:39:32: Und dann habe ich dieses Projekt eben sehr, sehr viel gezeigt.

00:39:36: Ja... Das hatten wir gerade schon angesprochen in dem Projekt Setz du dich autobiografisch auseinander mit sexualisierter Gewalt gegenüber Frauen, Kindern, Mädchen?

00:39:51: Und arbeitest da auch mit archivischem Material.

00:39:53: Also du hast selbst Porträts gemacht, aber eben auch Fundstücke aus deinem eigenen Lebensarchiv sozusagen genutzt um sie dann zu fragmentieren.

00:40:07: würde ich das jetzt mal beschreiben.

00:40:09: Magst du ein bisschen über diesen Prozess erzählen?

00:40:12: Die Auseinandersetzung mit dem Archiv in diesem Rahmen der autobiografischen Arbeit Ja, ich überlege gerade wo ich anfange.

00:40:24: Also genau die Arbeit hatte als Ausgangspunkt auf jeden Fall die Wut und ich glaube es ist ja.

00:40:35: eigentlich habe ich oft jetzt so rückblickend in meinem Leben gemerkt dass Wut auch ein unglaublich befreiendes Element sein kann.

00:40:42: Es aktiviert sehr viel und wenn man nicht so komplett quasi in Rage verfällt dann kann das irgendwie auch eine sehr, sehr gute Kraft sein.

00:40:55: Genau und ich habe damals in Dänemark an der DMJ-Exen Auslandsemester gemacht und das Semester fing so an dass wir uns irgendwie alle vorstellen sollten und ein paar Arbeiten zeigen sollten die wir schon gemacht haben.

00:41:08: und ich hab das irgendwie als erstes gemacht und hab es relativ schnell erzählt.

00:41:13: Dieser Kennenlernprozess streckte sich dann aber auf einmal über zwei Tage und wurde immer intensiver.

00:41:18: Und total viele Mitstudierende haben total viel Persönliches erzählt, also es war auch so angelegt dass es eigentlich viel mehr darum gehen sollte was hat bisher nicht so gut geklappt?

00:41:31: oder was sind unsere Hürden?

00:41:34: Ich habe dann die ganzen Geschichten von den anderen gehört und teilweise ging's auch irgendwie um Schwangerschaft ab oder guten Freund verloren.

00:41:42: Es war echt intens und irgendwann hatte ich so ein bisschen das Gefühl, es war damals so, heute wird's mir anders gehen aber da war ich irgendwann so.

00:41:55: eigentlich glaube ich habe mich nicht komplett vorgestellt und hab dann mit dem Einlehrenden nach, ich glaub am Ende des zweiten Tages drüber geredet und meinte halt zu ihm ja es gibt eigentlich was weiß ich schon auch noch erzählen wollen würde.

00:42:12: Genau und hab ihm halt von diesem Missbrauch erzählt, und habe ihm auch gesagt ich hab eigentlich schon länger irgendwie das Bedürfnis damit künstlerisch zu arbeiten aber ich hab überhaupt keine Ahnung wie... Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll Und der kennt Klisch heißt er ist ein sehr toller Lehrer und Sören Factor übrigens auch die da beide leeren.

00:42:34: Genau.

00:42:34: und der hat... Der hat so'n paar Techniken quasi mehreren Leuten empfunden hat, aber genau der hat mir so empfohlen.

00:42:42: Probier doch zum Beispiel mal sowas aus wie stell die Kamera hin film dich dabei und dann sagst du mal alles was du dem Täter sagen wolltest oder du schreibst ein Brief an denen.

00:42:52: oder schließt dich einfach mal ein und mach selbst Porträts.

00:42:56: und ich glaube so hat es eigentlich angefangen.

00:42:59: und dann habe ich mich auch genau in dieser Die Studiwohnung, in der wir da waren, den Nachmittag eingeschlossen und habe mir einen gesagt.

00:43:06: Stört mich nicht!

00:43:07: Ich mache jetzt was und sage nicht was so ungefähr.

00:43:12: Und das habe ich sehr viel in diesem Projekt gemacht.

00:43:14: also manche Bilder sind auch unserem Garten entstanden, den ich zu der Zeit irgendwie mit hatte geteilt.

00:43:21: Genau und so fing es sozusagen ein bisschen Ja, überhaupt erstmal frei erkunden an in welche Richtung soll es eigentlich gehen und einfach erst mal was ausprobieren auch wenn's vielleicht gar nicht gut aussieht.

00:43:35: Genau dann habe ich diese ersten Ergebnisse ja auch im Kurs gezeigt und das war halt.

00:43:40: also es war wirklich ein krasses Privileg so eine Gruppe uns einen Umfeld zu haben indem wir sehr konstruktiv kritisiert haben.

00:43:50: Und genau einige haben dann irgendwie gesagt und meinten, naja vielleicht musst du schon gucken dass die Bilder auch irgendwie ästhetisch ansprechend sind.

00:43:57: Eine andere meinte vielleicht ist noch nicht der richtige Zeitpunkt und ich war aber so verbissen oder also ich wollte das unbedingt machen.

00:44:05: und ja eben dieser Hinweis von hey die müssen auch irgendeine Ästhetik haben oder also irgendwie auch visuell ansprechender sein was ein total guter Hinweis Genau.

00:44:18: Und dann gab es zuerst die Idee Bilder vom Täter auf ganz, ganz viele Arten zu zerstören sozusagen auf alle Arten, auf die ich mich irgendwie selber mal zerstört hatte.

00:44:30: und dann habe ich aber irgendwie auch ziemlich schnell gemerkt, das reicht nicht so ganz Genau.

00:44:36: und ich glaube dann auf einmal, also ich würde sozusagen sowieso Detektive in meines eigenen Lebens weil dann dachte ich auf einmal hm ich möchte mir eigentlich auch mal die Bilder von früher angucken gucken ob ich da irgendwas finde.

00:44:48: Ich möchte meine alten Tagebücher durchlesen und genau habe so quasi verschiedene Themen, Blöcke mir gesucht um sozusagen alles zu finden was damit irgendwie zu tun hat dass du das Wort detektivisch sagst.

00:45:03: Also, das fällt auf jeden Fall auf, dass da jemand ist nämlich du die einen Gang macht und auch eine Suche vollzieht.

00:45:12: irgendwie also finde ich.

00:45:15: Und das wie so... Auf einer Art und Weise auch Beweise oder ich weiß nicht ob das wirklich Beweise sind aber vielleicht beschreibe ich so, du hast dann zum Beispiel Bilder inkludiert von Orten die du dann mit handschriftlichen auch zum Thema ein Tagebuch auch sehr wo so einen Ich hervortritt und sagt hier ist mir etwas passiert

00:45:41: z.B.,

00:45:43: untertitelt also das heißt wieso Beweistücke einzusammeln aus denen sich dann etwas zusammensetzt?

00:45:54: Ja, also Beweise trifft es auf jeden Fall sehr gut und das war zum Beispiel die so die Familienalbum-Archivarbeit.

00:46:03: Genau das hatte ich... Ich weiß gar nicht mehr da war ich in der Hochschule.

00:46:06: Ich glaube weil ich die dann auch schon gleich einscannen wollte und hatte mich hingesetzt und habe mich erst auch angesetzt und noch mal versucht zu erinnern wann eigentlich war's?

00:46:14: Weil ich meine das war einfach fünfzehn Jahre später oder so dass ich dieses Projekt gemacht hab.

00:46:21: Natürlich weiß man dann nicht mehr ganz genau, in welchem Jahr was war vielleicht.

00:46:25: Aber hab es zumindest versucht und war mir dann relativ sicher irgendwie die Chronologie zu wissen und habe dann die Fotos durchgeguckt Und es gibt in dem Buch zum Beispiel eine Seite Das sind so zwei Bilder von einem Familienfest und man sieht mich an dem Eintisch sitzen mit wirklich einem total krummen Rücken und so, also eigentlich ganz schüchtern in die Kamera von der Seite gucken.

00:46:55: Und am Anfang im Buch gibt es ja zum Beispiel ein Bild von mir als Kinder strahle und lache ich in die Kameran bin so total offen und aufgeschlossen.

00:47:04: Es gab wirklich ... In diesem Prozess des Familienbildern angucken gab's auf einmal einen sehr klaren Wechsel von wie ich mich gegenüber der Kamera verhalten habe.

00:47:15: Das war für mich Total intensiver Moment und ein Moment des Beweises.

00:47:20: Natürlich ist es ein Beweis, der überhaupt vor keinem Gericht der Welt irgendwie standhält.

00:47:25: aber genau das sind ja eher sehr unterschiedliche Dinge was wie wir im privaten mit diesen Dingen umgehen und wie juristisch damit umgegangen wird.

00:47:35: Genau die Orte.

00:47:37: Ich glaube, das war gar nicht unbedingt so sehr Beweissuche für mich.

00:47:41: Sondern ich wollte wissen was passiert wenn ich wieder an dem Ort bin?

00:47:45: Also ich wollte mich bewusst in die Erinnerungen geben, wenn ich da bin und genau, ich glaube, da ging es schon auch eher um das Transformieren ins Bild also dass sich da bin oder dass ich dann diese Erinnerung irgendwie auch... Also ein Tier habe ich ja mit Mittelformat gemacht.

00:48:02: Also ich konnte auch nicht sehen quasi, was ich dann aufgenommen hab.

00:48:05: im Moment Und ich glaube, das war sehr viel so ein Abgeben der Erinnerung ins Bild.

00:48:14: Ja zurückkommen zu der Frage was ist der Akt des Fotografierens für dich?

00:48:18: Also es gibt in dieser Arbeit eben auch so unterschiedliche Formen, Wirkweisen sag' ich mal eben diese Frage.

00:48:29: nach der Dokumentation finde ich dort findet sich eben da wieder wie wir eben gerade auch drüber gesprochen haben das Transformierende auch eine Art von Ermächtigung, von einem Archivmaterial.

00:48:48: Und dann will ich diesen Begriff der Fürsorge vielleicht noch so reinkriegen weil die Arbeit ist auch untertitelt jetzt muss ich einmal kurz schauen für mich oder übertitelt eigentlich a way of reconciliation also ein Weg zur Versöhnung wie Fürsorge, also es fühlt sich auch sehr eben die Zeit, die irgendwie auch in manchen Motiven wie so zu stillzustehen scheint oder so.

00:49:19: Also irgendwie musste ich an diesem Begriff der Fürsorgedenken auch eine Hinwendung eigentlich zu etwas was vergangen ist aus einer jetzigen Position, die sich ja eigentlich an dir zeigt, also eine Fürsage an dir?

00:49:33: Ja das war auch genau diese... als wir so in die Projektphase gegangen sind im Auslandsemester.

00:49:39: dort war tatsächlich auch die Ansage, ihr könnt das einfach für euch machen und ihr müsst gar nichts davon zeigen.

00:49:47: Und ich glaube, dass hat mich total befreit.

00:49:50: Also... und so habe ich das Projekt tatsächlich auch gemacht.

00:49:53: also deshalb steht diese Widmung auch am Anfang drin.

00:49:56: Die ist eigentlich spannend!

00:49:58: Habe ich schon länger nicht mehr drüber nachgedacht?

00:50:00: ... ist schon auch irgendwie bold, sich selbst was zu widmen.

00:50:03: Und das war jetzt eine zweite Frage gewesen!

00:50:06: Es ist ja publiziert und wenn ich dann auch schaue auf deiner Website... Aber es ist durch die Welt gekommen.

00:50:11: Es ist für alle da?

00:50:13: Und sie ist viel in der Welt gewesen.

00:50:16: Ja aber das hat mir beim Arbeiten so diese totale Freiheit gegeben, einfach zu machen, was sich für mich gerade richtig anfühlt.

00:50:26: Und eben, es ging sehr viel darum es für mich zu verstehen und zu ordnen und zu sortieren.

00:50:33: Und auch wenn das Buch sozusagen folgt ja überhaupt keiner Layout-Regel, also eigentlich ein Albtraum für Designerin irgendwie keine Seite ist gleich.

00:50:42: vielleicht gibt's ein paar ähnliche Bildformate aber genau es gibt trotzdem eine sehr klare Struktur dahinter und sozusagen Bildgruppen oder Materialgruppen Genau und für mich hat das schon, ja ich hab's darüber irgendwie sortieren können.

00:51:00: Und es war natürlich auch erstmal sozusagen ein erster Anfang sich damit richtig zu beschäftigen.

00:51:09: Ich glaube dass wird auch am Ende klar wo immer noch darum geht die Kämpfe immer noch und genau würde ich sagen nach der Publikation dann nochmal eine ganze Zeit gebraucht.

00:51:21: Also kann man, glaube ich an der Stelle sagen sehr viel Therapiestunden.

00:51:24: Ich würde mich nicht aus dem Fenster lehnen und sagen hey macht doch einfach ein Buch und alles ist fein sondern genau ich glaube es ist immer eine Kombination aus Verarbeitungsstrategien Genau!

00:51:39: Und ja warum?

00:51:40: Warum ist es dann trotzdem in die Welt gelangt wenn das doch nur für mich war?

00:51:46: Ich habe das damals gemacht mich entschieden, das im Kurs zu zeigen und alle waren total beeindruckt.

00:51:56: Und dann habe ich es damals glaube ich als erstes meiner besten Freundin damals gezeigt aus meinem Umfeld und die hat sehr schnell gesagt hey weißt du eigentlich wie viele Leuten das helfen könnte?

00:52:09: Also, nee, hatte ich mir vorher nicht Gedanken darüber gemacht.

00:52:12: Für mich war es eher so ein... dass ich das Gefühl hatte, ich habe jetzt was, das kann ich anderen Leuten geben damit die mich besser verstehen weil mir einfach die Worte nach wie vor für all das fehlen.

00:52:23: und in dem Buch sind ganz viele unterschiedliche andere Sprachen vereint durch die ich mich ausdrücken kann.

00:52:31: Genau aber ich glaube durch eben diese Idee von Kann das Anderen helfen?

00:52:36: Und das ist ja ist eine sehr starke Traumavorge-Reaktion, dass man eben die Hilfe, die man selbst nicht erfahren hat anderen geben möchte.

00:52:48: Und das war ne sehr große Motivation für mich das zu veröffentlichen also mit... Ja ich glaube ich war damals auch schon ein bisschen naiv und grössten wahnsinnig zu denken, dass es richtig richtig viel verändern könnte.

00:53:01: Also es war mein Wund, es war meine Hoffnung.

00:53:07: Ich weiß nicht, ob es eingetreten ist.

00:53:10: Gleichzeitig kommen die Toninnen in Hannover.

00:53:14: So Ali hat mal gesagt so wir tragen alle unseren kleinen Teil dazu bei und ich glaube das konnte das Buch schon also auch immer wieder andere auch dazu inspirieren sich mit ihren Geschichten auseinander zu setzen dem Thema Aufmerksamkeit zu geben.

00:53:32: Das ist eigentlich ein ganz schöner Bogen.

00:53:33: zum Anfang, wo ich irgendwie so sagte.

00:53:36: Deine Arbeiten finde ich ziehen sehr schnell, haben so ziehen so ran und das sagt es jetzt irgendwie dass ein Feedback teilweise war das ist zu nah sozusagen oder das war zumindest vielleicht auch eine vorgeschobene Feedback, um dann weiß ich nicht warum etwas abzulehnen.

00:53:55: Ich finde das eben auch.

00:53:56: und wenn ich die Arbeit schaue man ist sehr schnell eben du bist da handschriftlich also sieht man deine Schrift man sieht dich in Selbstporträts die zwar auch deinen Körper fragmentiert immer nur an Ausschnitten zeigen aber ich weiß du bist ja sehr präsent ich sehe da eben archivisches Material aus Familienfotobüchern Fotoalben und auch die sehr direkte Sprache, die da drin liegt.

00:54:23: Und das macht natürlich dass man schnell sehr nah ist.

00:54:26: Das spürt man auch finde ich.

00:54:30: Auch wenn ich jetzt die Arbeit nicht im Ausstellungsraum gesehen habe sondern über den Website, dass man auch das aushalten oder das spürts einfach so... Und dass unter Umständen sich wie Aushalten anfühlt, wenn man da so ganz nah dran ist.

00:54:44: Na klar!

00:54:44: Ja also ich meine letztendlich ja ist diese Arbeit ja ein... Ich nehme mich mit, wie es mir geht damit und das war fucking schwer auszuhalten.

00:54:56: oder ist es manchmal immer noch klar?

00:54:59: Also ich glaube auch mittlerweile verstehe ich das ein bisschen anders.

00:55:05: weil angefangen habe das Projekt zu zeigen haben ganz viele immer gesagt, oh das ist so mutig von dir und ich hab überhaupt nicht verstanden warum die das mutig finden weil es einfach... Es war meine Normalität.

00:55:21: Und für mich war daran nichts mutig sondern es war einfach nur... Ich zeige euch einfach nur was in meinem Leben passiert ist Mut für mich damit verbunden und ich kenne einige andere Künstlerinnen, die irgendwie massive Gewalt erfahren haben ob als Erwachsen oder in der Kindheit denen es ähnlich geht.

00:55:43: Ja, die Normalität, die man kennt ist.

00:55:45: Die Normalität und dann ist es kein besonders großer Schritt, die zu zeigen.

00:55:51: Es ist vielmehr oft auch so dass das sehr anstrengend ist Das andere Menschen überhaupt nicht wissen wie sie sich dazu verhalten sollen.

00:56:01: Und das hat mich früher sehr aufgeregt und mittlerweile sozusagen wo Diese Welt von Gewalt und Traumern nicht mehr meine Normalität ist.

00:56:11: Und ich so ein bisschen anfange zu verstehen, wie sieht eigentlich die Normalität anderer Menschen aus?

00:56:17: Wie fühlt sie sich an?

00:56:19: Kann ich mittlerweile schon auch manchmal diese Überforderung verstehen oder das gerade nicht damit beschäftigen wollen oder dass es einfach wirklich zu viel ist oder... Ich weiß nicht!

00:56:31: Es gab immer wieder bei Ausstellungen Ja, insbesondere Männer wo man wirklich gemerkt hat die kommen jetzt damit gerade nicht klar dass das eine Realität in dieser Welt ist.

00:56:42: Und es kann zum Beispiel in Paris einen der so darauf gepocht hat warum ich denn jetzt den Täter nicht angezeigt habe und ich muss das doch machen Es ändert gar nichts für mich.

00:56:58: Und es gab diese Anzeige übrigens später auch und das ist auch absolut nichts davon passiert, genau aber der sich dann irgendwie so an diesen ja ich sag mal an den Normen und dem Ordnungssystem was wir beigebracht bekommen die Polizei hilft ihr oder wie auch immer so festgeklammert hat weil er halt irgendwie nicht fassen konnte dass diese Dinge passieren und ja und irgendwie auch nicht aushalten konnte dass es halt manchmal einfach schrecklich ist und vielleicht auch erst mal bleibt.

00:57:33: Das finde ich ein total schöner... Ja, eine total schöne Konfession.

00:57:40: Aber das geht vorüber!

00:57:41: Alles geht vor über.

00:57:46: Und auf naht und Weise ja, es liegt jetzt in dieser Buchform sehr greifbar vor mir.

00:57:53: also es bleibt dann auch auf Naht und Weiße einen Moment gewesen, in dem du das gemacht hast ja jetzt auch schon zehn Jahre her.

00:58:02: Möchtest du vielleicht noch kurz zum Abschluss?

00:58:04: Falls du möchtest, falls du hast... Hast du Pläne für die nächsten?

00:58:12: Ja ich kann das tatsächlich bejahen!

00:58:14: Ich finde manchmal dir so Frage löst ja manchmal total viel Druck aus Zum Beispiel als ich das Buch gerade publiziert hatte und alle meinten, was ist dein nächstes Projekt?

00:58:25: Und ich weiß erst mal erholen.

00:58:29: Genau also ich finde auch Pausenzeiten sehr wichtig, sage ich mal an dieser Stelle.

00:58:34: Aber genau tatsächlich gibt es im Sommer in Sofia eine Gruppenaustellung von dieser Residenz hier in Budapest, die ich gemacht habe wo ich das Projekt zeigen werde.

00:58:47: Und genau, danach werde ich so anfangen an einem Projekt für eine Gruppenausstellung zur Endometriose zu arbeiten.

00:58:58: Ja, ich glaube das sind erstmal die beiden Hauptdinge, die gerade anstehen und dann natürlich immer mal wieder kürzere journalistische Geschichten.

00:59:09: Und du wirst auch in Hamburg wieder sein?

00:59:11: Ja, ich habe mich jetzt nicht erwähnt.

00:59:14: Da hast du mir jetzt nämlich perfekt den Weizen gespielt!

00:59:19: Du wirst auch wieder in Hamburg sein zwischen dem zwölften und vierzehnten Juni wo der lächelnde Hase, Carsten & Ich im Rahmen des Triennale Expanded Programms Tischgespräche mit insgesamt vier fotografischen Positionen durchführen.

00:59:36: Einmal mit dir, mit Linda Hansen und Hoshana Hiyos und Jay Ritchie.

00:59:41: Und da freuen wir uns sehr!

00:59:42: Also liebe Hörnern wenn ihr diese Chance nicht euch verpassen, nicht euch entgehen lassen wollt auch persönlich mit dir zu sprechen ja sehen wir uns im Tee Haus.

00:59:54: schön dass du da warst.

00:59:57: Danke für das Gespräch.

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